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18) [Brief vom] 7. April 1828

Full text: Ludwig Börnes Berliner Briefe 1828 / Börne, Ludwig (Public Domain)

104 — 
gebrauche? Ich schlafe so süß wie ein Kind darauf. Alles 
was Dich je berührte, hat eine einschläfernde Zauberkraft. 
Und von Deinen guten Anisplätzchen habe ich auch noch. 
Erst heute Morgen habe ich zu einer Tasse Chocolade da— 
von gegessen. Gruß an die Ochsen und an die Kraus 
und an alle vom lieben Dr. Börne. Ich küsse Dir aufs 
zärtlichste die Hand. 
Charles gebohrne Jeanette. 
Berlin. Donnerstag d. 10. April 1828. 
Wie angenehm war ich gestern überrascht schon 
wieder einen Brief von Dir zu bekommen; ich konnte aber 
nicht gleich dazu kommen ihn zu beantworten. Aber liebes 
Bärbelchen, Du füllst ja eine ganze Seite Deines Briefes 
mit Plagiaten an, indem Du Reichardts Guide de Voyageur 
ausziehst, den ich ja ganz dick selbst besitze. Du sprichst 
von Hameln wie ein Hämmelchen und von Paderborn 
wie ein Peterchen, lauter dummes Zeug. Sprichst Du 
von Bayreuth sag ich: sei gescheit; sprichst Du von 
Braunschweig, ruf ich: traun schweig. Das war ein 
Stück Predigt aus Abraham a santa Clara! Nein, es 
wird nicht mehr herumgereist ohne Dich, ich gehe den 
graden Weg nach dem Rhein. Der liebe Börne ist kurz 
und nicht mehr so gesprächig wie sonst, erstens weil er 
nachdem der erste Eindruck von Berlin vorüber ist, weniger 
mehr zu schreiben hat. Zweitens, weil er mit Vor— 
bereitungen zur Abreise beschäftigt, wenig Zeit hat, und 
drittens, weil er verdrüslich, verdrüslich, verdrüslich 
ist. Was habe ich nicht immer zu thun, wenn ich mein 
Lager aufhebe! Hundert geliehene Bücher zurückschicken 
Wäsche besorgen, Stiefel sohlen lassen, Geld einkassiren, 
19)
	        
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