Path:
11) [Brief vom] 16. Merz 1828

Full text: Ludwig Börnes Berliner Briefe 1828 / Börne, Ludwig (Public Domain)

die Eitelkeit, die mich verführte. Ach! Bärbelchen, was 
wirst Du an mir zu waschen haben, wenn ich wieder nach 
Hause komme. Ich stecke in Suünden über und über. 
Aber mein größtes Verbrechen bleibt doch der Diebstahl 
der Kleider und Wäsche. Darüber, fürchte ich, giebst Du 
mir keine Absolution. — Als ich heute zu einem jüdischen 
Tabackshändler kam, mir Taback zu kaufen und dieser 
durch einen gewissen Anlaß meinen Namen erfuhr, war 
der Mann ganz außer sich vor Freude, führte mich hinauf 
zu seinem Schwiegervater, zur Schwiegermutter, zur Frau, 
welche sämtlich meine sämtlichen Werke verehren. Die 
guten Leute regalirten mich mit einer Pfeife und mit 
Bier. Muhr heißt er und wohnt auf der Königstraße. ?8) 
Fragen Sie Lindenau, ob er ihn kenne? — Adieu un⸗— 
vergleichliches Bärbelchen. Du bleibst doch das schönste 
Gedicht, und das Gott selbst für mich gemacht. Zwar 
kommen ungereimte Stellen darin vor; aber so genau muß 
man es mit dem lieben Gott, der so etwas nur in den 
Feyerstunden zu seiner Erholung macht, nicht nehmen. 
Gruß an alle und besonders an Ihre Schwester Fanny. 
Aber der Fanny Ochs erzähle nichts von meiner Zer— 
knirschung. Das würde sie gar zu stolz machen. 
Dein Oharles. 
(Erhalten Nr. 13) Dienstag d. I8ten. 
Berlin d. 21. Merz 1828. Freitag. 
Als ich den Brief an Stiebel beilegte, fiel mir gar 
nicht ein, Du würdest, ehe Du ihn gelesen, einige Minuten 
in Angst schweben, ich wäre krank und melde dieses. Du 
hast mich daran erinnert, und ich habe lachen müssen, wenn 
ich mir lebhaft vorstellte, wie Du zwischen beiden Briefen 
13)
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.