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9) [Brief vom] 10. Merz 1828

Full text: Ludwig Börnes Berliner Briefe 1828 / Börne, Ludwig (Public Domain)

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Kerl und ich schlug die Einladung ab. Nun hörte ich 
heute Hegel, Spontini und andere interessante Leute hätten 
da gegessen. Da that es mir Leid. Ich werde keine Ein— 
ladung mehr abweisen; die Menschen der verschiedensten 
Art sind hier so vermischt, daß man sie oft an Orten 
findet, wo man sie nicht erwartet. Ich werde diese Woche 
irgendwo bei Tische den Fouqué finden, der mich höchlich 
interessirt. — Hier besteht eine Sonntagsgesellschaft?0) von 
Gelehrten, die sich „der Sonntagsgesellschaft“ nennt und 
druckt, um merklich zu machen, daß sie am Sonntage, nicht 
aber der Sängerin Sontag wegen zusammenkomme, welches 
man vielleicht glauben könnte, wenn sie sich sprachrichtig 
die Sonntagsgesellschaft nennte. Welche Pedanterie! — 
Bitten Sie den Reinganum, er möchte sich doch einmal auf 
dem Stadtgericht vertraulich erkundigen, was sie wegen 
meines Prozesses beschlossen. — Die Julie Saling hat sich 
in aller Schnelligkeit meine Wage, Zeitschwingen, die sie in 
Frankfurt zurückgelassen, verschrieben. Mütterchen, conservire 
Dich so gut, wie meine alte Wage. Der wird hier noch 
die Cour gemacht, als wäre sie ein junges Mädchen. Die 
alte Schachtel hat Glück. Ich war unterdessen bei Hitzig 
gewesen. Er sprach mit mir von der Sammlung meiner 
Schriften, aber auf Subscribentensammeln kam er nicht 
zurück und ich fand es nicht passend davon zu sprechen. 
Die Werke hier drucken zu lassen, davon räth mir hier 
jeder selbst ab, wegen der Zensur. Ich habe also jezt nur 
noch in Hamburg zu versuchen, ob mir ein Buchhändler 
mehr als Cotta dafür bietet. — Wie traurig ist es doch, 
wenn Leute von Stande, und anscheinend behaͤglicher Lage, 
im Stillen Mangel leiden, und Unterstützung so wenig 
fordern dürfen, als man sie ihnen schicklicher Weise an— 
bieten darf. In dieser Lage befindet sich die Staatsräthin 
Uhden, eine wackere Frau, von der ich Ihnen schon geschrieben
	        
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