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Erster Hauptteil. Deutschland und Friedrich Wilhelm IV. bis zum 18. März 1848 Drittes Kapitel. Die deutsche Politik Friedrich Wilhelms IV. unter Einflusse der Pariser Februarrevolution bis zur Wiener Revolution

Full text: Deutschland, König Friedrich Wilhelm IV. und die Berliner Märzrevolution / Rachfahl, Felix (Public Domain)

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Drittes Kapitel, 
Gedanke ausgesprochen und eine Lösung der Verfassungsfrage 
in Aussicht genommen, wie sie später unter der Regierung 
seines Nachfolgers thatsächlich erfolgt ist: nämlich die Be- 
gründung eines Konstitutionalismus, der zwar die Kronrechte 
beschränkte, den Schwerpunkt der politischen Gewalt jedoch 
keineswegs in die Volksvertretung verlegte und eben daher 
dem Prinzipe der Volkssouveränität die Spitze abbrach. Auf 
dieses Ziel lief es hinaus, wenn der König Bodelschwingh nicht 
den erbetenen Abschied erteilen wollte; er wollte sich durch 
die Einflüsse der konstitutionellen Doktrin in der Auswahl 
seiner Minister nicht bestimmen lassen. Eben daher berief er 
in demselben Momente, als er sich zum Konstitutionalismus 
bekannte, in der Person des Grafen Alvensleben einen Mann 
an die Spitze des Kabinets, der weit entfernt von liberaler 
Gesinnung war. Er wollte verfassungsgemäfßfs regieren; aber 
sein Ministerium sollte nicht einfach einen Ausschufs der herr- 
schenden Partei darstellen. Daher hatte die Frage, welches 
Prinzip für die Zusammensetzung des Parlamentes mafsgebend 
sein sollte, wie er nunmehr wohl erkannte, doch nur eine se- 
kundäre Bedeutung; die Hauptsache war vielmehr die Stellung 
des Ministeriums. Was er wollte, das war der Konstitutionalis- 
mus ohne parlamentarisches System. Kine Verfassung dieser Art 
mufste freilich gegen die populären Aspirationen durchgesetzt 
und verteidigt werden: ob das gelingen würde, das war die Frage, 
von deren Lösung für die Zukunft das Schicksal der Erhaltung 
des preufsischen Staates in seiner historischen Kigenart abhing. 
Immerhin, der Sprung ins Dunkle war gewagt. Es galt 
nunmehr, die Ernte zu sichern, die man auf dem Felde 
die Wendung der preufsischen Geschicke liegt. Denn darauf kam es nun 
an, ob die konstitutionelle Richtung, die man ergriff, gleichsam eine Ab- 
kunft mit dem Liberalismus, dahin führen werde, das Selbst des Staates 
zu behaupten und die Elemente zurückzuweisen, die ihn zu vernichten 
drohten. Solche Zeiten müssen kommen: das historisch Gebildete muß seine 
innere Lebenskraft im allgemeinen Sturme bewähren und selbst von dem 
neu Emporgekommenen so viel in sich aufnehmen können, dafs die Lebens- 
kraft dadurch verstärkt wird, weit entfernt davon zerstört zu werden. Da- 
durch wird alle Umbildung bedingt werden.‘
	        
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