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Zweiter Hauptteil. Friedrich Wilhelm IV. und die Berliner Märzrevolution Drittes Kapitel. Der Befehl zum Abmarsche der Truppen von den Barrikaden am Morgen des 19. März

Full text: Deutschland, König Friedrich Wilhelm IV. und die Berliner Märzrevolution / Rachfahl, Felix (Public Domain)

Der Befehl zum Abmarsche der Truppen von den Barrikaden etc. 9207 
Nachdem der soeben besprochene Beschluls gefalst war, 
wandte sich der König wiederum zur Deputation, um sie in 
diesem Sinne zu bescheiden. Er begann, indem Bodelschwingh 
zu seiner Rechten, Graf Arnim zu seiner Linken standen, zu 
den Bürgern zu sprechen!; als er im Begriffe stand, weiterzu- 
geht entschieden zu weit. Der eben referierte Passus Arnims ist nicht frei 
von Unrichtigkeiten, deren Entstehung sich aber durch eine einzige An- 
nahme durchaus erklären läfst, nämlich dafs Arnim, zum Schlusse der 
Beratung erscheinend, die Situation nicht überschaute und daher unrichtig 
auffalste, da er sich eben über das, was bisher vorgefallen war, nicht 
genau genug orientierte. Daher sagt er, dafs die Deputation, als er ankam 
„eben entlassen wurde‘‘, dafs sie ihren Bescheid bereits erhalten hatte, 
während sie in Wahrheit erst entlassen und beschieden werden sollte. 
Das Benehmen Arnims (dessen Gedanken von der bevorstehenden Kabinets- 
bildung wahrscheinlich so erfüllt waren, dafs er für nichts anderes Auge 
und Ohr hatte), nämlich die Art und Weise, wie er bald nachher den 
König bei seiner Anrede an die Deputation brüsk unterbrach und ihn nebst 
Bodelschwingh in das Nebenzimmer zu treten veranlafßste, bestätigt durch- 
aus die Annahme, daß Arnim die Verhandlungen mit der Naunynschen 
Deputation bei seiner Ankunft im Schlosse bereits als abgethan betrachtete. 
Wenn man die Angaben Arnims der ihnen auf Grund der bezeichneten 
Fehlerquelle anhaftenden Irrtümer entkleidet, kann man seinen Bericht auf 
folgenden Thatbestand reduzieren: Arnim kommt zum Schlusse der Be- 
ratung an, als die Diskussion bereits beendigt ist. Es wird ihm der eben 
gefafste Beschluß mitgeteilt, den er falsch auffaßst [bei Arnim ist nämlich 
die Rede von der Räumung der Strafsen und Plätze schlechthin, während 
in Wahrheit (vgl. Diest 32) beschlossen war, die Räumung solle nur be- 
ginnen und in demselben Maflse fortgesetzt werden, wie die Barrikaden 
niedergelegt würden], d.h. im Sinne einer unbedingten Räumung der Plätze 
und Strafsen durch die Truppen. Er erklärt damit ‚nachträglich‘ sein Ein- 
verständnis; des Glaubens nun, dafs der Beschlufs den Deputierten bereits 
mitgeteilt sei, und dafs diese im Begriff stünden, sich zu entfernen, ver- 
hindert er, wie wir oben erzählen werden, den König an der Fortsetzung der 
Verhandlungen mit der Deputation und begiebt sich mit ihm und Bodel- 
schwingh in das Nebenzimmer. — Wenn man Arnims Erzählung also von 
den in ihr enthaltenen Irrtümern säubert, erscheint sie als durchaus glaubhaft 
und läkt sich ohne weiteres in den Zusammenhang der Begebenheiten 
einordnen. Eine Tendenz zu bewulfster Entstellung und Lüge läfst sich 
ihr bei unparteiischer Prüfung nicht nachweisen. 
1) So nach Schulz a. 0. S. 104 Schulz erwähnt die nach Bodel- 
Schwinghs Zeugnis stattgefundene, durch den Bericht des Prinzen von
	        
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