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Erster Hauptteil. Deutschland und Friedrich Wilhelm IV. bis zum 18. März 1848 Erstes Kapitel. Österreich, Preussen und die deutsche Frage

Full text: Deutschland, König Friedrich Wilhelm IV. und die Berliner Märzrevolution / Rachfahl, Felix (Public Domain)

Österreich, Preufsen und die deutsche Frage. 13 
deutschen Elementes behaupten. Man wird nicht bestreiten 
können, dafs es der historischen Wahrheit durchaus entsprach, 
wenn Metternich im Sommer 1847 dem preufsischen Gesandten 
in Wien auseinandersetzte: „Österreich ist ein Reich, das unter 
seiner Herrschaft Völker von verschiedener Nationalität um- 
fafßst, aber als Reich hat es nur eine Nationalität. Öster- 
veich ist deutsch, deutsch durch seine Geschichte, durch den 
Kern seiner Provinzen, durch seine Civilisation.“2 Und dem- 
selben Gedanken gab derjenige Staatsmann Ausdruck, der später 
das Werk der Ausschlielsung Österreichs aus Deutschland zu 
stande brachte, indem er in einer parlamentarischen Rede im 
Dezember 1850 ausführte: „Es ist eine seltsame Bescheiden- 
heit, dafs man sich nicht entschliefsen kann, Österreich für 
eine deutsche Macht zu halten. Ich kann in nichts anderem 
den Grund hiervon suchen, als dafs Österreich das Glück hat, 
fremde Volksstämme zu beherrschen, die in alter Zeit durch 
deutsche Waffen unterworfen wurden. Ich kann aber daraus nicht 
schliefsen, dafs, weil die Slowaken und Ruthenen unter der Herr- 
schaft Österreichs stehen, diese die Repräsentanten des Staates 
und die Deutschen eine blofse beiläufige Zugabe des slavischen 
Österreichs seien; sondern ich erkenne in Österreich den 
Repräsentanten und Erben einer alten deutschen Macht, die 
oft und glorreich das deutsche Schwert geführt hat“? 
So war es in der That: die Rücksicht auf die Erhaltung 
seiner europäischen Grofsmachtstellung und des deutschen Grund- 
Charakters des eigenen Staatswesens erforderten für Österreich 
unbedingte Zurückhaltung gegenüber der deutschen Einheits- 
bewegung. Man mag, wie temparamentvolle, national gesinnte 
Historiker es gethan haben, von „bösem Willen der Hofburg“ 
oder von einer „Todfeindschaft Österreichs gegen den nationalen 
Gedanken“ sprechen; man darf aber nicht verkennen, dafs der 
Österreichische Staat als solcher eine andere Politik nicht treiben 
konnte, wenn er sich nicht selbst in seiner historischen KEirven- 
1) Angeführt bei Treitschke, ‚Deutsche Geschichte“, Bd. V. S. 696. 
2) Böhm, Fürst Bismarck als Redner, I. 201.
	        
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