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Zweiter Hauptteil. Friedrich Wilhelm IV. und die Berliner Märzrevolution Drittes Kapitel. Der Befehl zum Abmarsche der Truppen von den Barrikaden am Morgen des 19. März

Full text: Deutschland, König Friedrich Wilhelm IV. und die Berliner Märzrevolution / Rachfahl, Felix (Public Domain)

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Drittes Kapitel. 
zu bewirken. In diesem Sinne sprach sich Prittwitz abermals 
vor dem Könige aus, als er vor diesen, nachdem die dritte 
Deputation das Schlofs verlassen hatte, beschieden wurde, um 
Auskunft über den augenblicklichen Stand der Dinge zu geben.* 
Er beharrte bei dem Gutachten, das er mitternachts abgegeben 
hatte, und machte auf den inzwischen infolge der seit dem 
Morgen eingetretenen Unsicherheit [d. h. infolge der Prokla- 
mation] in mehreren Strafsen hervortretenden bedenklichen Zu- 
stand aufmerksam. Für den Fall, dafs sich die Einwohner- 
schaft nicht sofort unterwürfe, befürwortete er wiederum die 
engste Einschliefsung der Stadt, da er nicht stark genug Sei, 
sie durch Vorgehen im Innern von Strafse zu Strafse zu nehmen, 
und daher den Ausmarsch des Königs mit sämtlichen Truppen. 
Der König hörte die Vorschläge des Generals abermals an, 
ohne Widerspruch zu äufsern, aber auch ohne eine bestimmte 
Antwort zu geben. Ohne Zweifel erschien ihm nach den Er- 
klärungen der Deputationen eine Malsregel so extremen Charak- 
ters, wie Prittwitz sie anriet, vorschnell und zweckwidrig.? 
Alle die geschilderten Vorgänge, wie sie sich bisher im 
Schlosse an diesem Morgen abgespielt hatten, waren gleichsam 
nur das Vorspiel zu der Entscheidung, die jetzt fiel. Im Zu- 
sammenhange mit dem Erscheinen der vierten „Deputation“ 
vollzog sich nun eine neue Wendung der Dinge. Um zehn 
Uhr? stellte sich im Schlosse eine Gruppe von Bürgern ein, 
ungefähr zwölf an Zahl, unter ihnen der zweite Bürgermeister 
1) Bei den bisherigen Beratungen im Schlosse war Prittwitz schwerlich 
zugegen, Einmal wird uns nichts davon berichtet; sodann erzählt Schulz: 
Moewes, Nobiling, Fournier und Seeger hätten, als sie aus dem Schlosse 
heraustraten, um sich nach dem Alexanderplatze zu begeben, im Schlofs- 
hofe Prittwitz getroffen und von ihm einen Offizier zur Begleitung erbeten 
und erhalten, 
2) Schulz a. 0. 8. 101£. 
3) Der Zeitpunkt wird so angegeben bei Schulz 5. 102. Auch 
Bodelschwingh bei Diest (8.31) sagt: „vielleicht gegen 10 Uhr Morgens *', 
Der Prinz von Preufßsen (bei v. Petersdorff S. 231) giebt an: „Es 
mochte 11 Uhr sein.“ Das ist ganz unmöglich: der Prinz irrt sich unge- 
fähr um eine Stunde.
	        
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