Path:
Thomas Theodor Heine

Full text: Skizzen und Silhouetten / Hermann, Georg (Public Domain)

a 155 CR 
springen zu, um ihm die Stiefel vom Fuss zu ziehen und der Pascha mit 
dem karrierten Anzug und der Meerschaumspitze knurrt. „Vater, kriegt denn 
Mutter heute keine Keile?‘“ fragt der erstaunte Junge, dem derselbe Galgen- 
vogel schon aus dem Gesicht sieht, wie dem Mann. 
Eine Loggia: Draussen blauer Himmel, die Bäume sehen unbewegt 
herein: alles, alles langweilt sich hier — gähnt; steif kommt der Diener mit 
dem Tablett die Treppe herabgetänzelt, dem Mann im Fauteuil ist die Zeitung 
entsunken; die Course stehen fest; die Mutter reisst ihren Mund auf, und 
deckt ihn nur halb mit der dicken beringten Patsche. Der Junge, ein kleiner, 
wohlgenährter Lockenknabe, spielt umher. Plötzlich dämmert in dem kleinen 
Burschen etwas auf und es formt sich zu der Frage: „Papa, was willst Du 
eigentlich. mal werden ?“ 
Heine liebt Kinder nicht, und um sie ganz unausstehlich zu machen, 
lässt er sie meist in Horden auftreten, ihre magern ungefüllten Figuren be- 
hängt er mit geschmacklosen Sachen- und wunderbar findet er für jedes Jahr 
die passende oder unpassende Beschäftigung heraus; er weiss genau, wie mit- 
leidslos Kinder sein können, wie frühverderbt, und stets giebt er jedem die 
Kinder, die er verdient; und stets weiss er die Eigenschaften der Grossen 
hier in schwächerer oder höherer Form in Erscheinung treten zu lassen. 
Ein besonderer Trick von ihm ist es, bei einer Hetze Kinder welche dem 
Vater und welche der Mutter ähneln zu lassen, und auch für die unehelichen 
Gesichter, die aussehen, als ob sie überhaupt nur eine Mutter gehabt hätten, 
besitzt er Sinn. 
Weiter! Die Wohnung des Spiessers, 1860 eingerichtet, noch einige 
Erbstücke aus Zeiten höherer Kultur. Standuhr, Birkenholzrahmen. Auf den 
Kaffeetassen steht „Dem Hausvater‘“ oder „Aus Liebe“; die Photographie vom 
Kriegerverein hängt an der Wand und unter Glas und Rahmen ein Blumen- 
strauss aus Haaren — jedes Blümchen gepusselt. Sophaschoner über den 
roten Plüschpolstern, Gummibäume, Kanarienvögel — alles sauber, nüchtern 
und geschmacklos. Sie Morgenkostüm, er Schlafrock. Ihr Leben haben sie 
zearbeitet, nun wollen sie etwas für sich thun, als gute Staatsbürger die Kunst 
fördern, und darum haben sie sich von Herrn Thomas Theodor Heine 
malen lassen. 
Weiter: Pfarrhausgarten. Papa schneidet die Rosen. Was soll er auch 
sonst thın? Mama schaut dick und schmunzelnd dem Glück ihrer Kinder 
zu. Schnuck, der Hund, sitzt auf dem Stuhl. Der Kaffeewärmer noch aus 
jener Zeit da ein bischen Französisch doch gar zu schön war, trägt in Perl-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.