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Hamburg. Stadt und Kunst (1901)

Full text: Skizzen und Silhouetten / Hermann, Georg (Public Domain)

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rauf wir zu achten haben. Einheimische Künstler wie Fremde haben sich 
mit ihrer ganzen Liebe an dieses Stück Erde mit all seiner Eigenheit, der 
Luft, der Natur, des Menschenwerks geheftet, — Alte Maler, die aus einer 
anderen Welt noch zu kommen scheinen, und junge Leute von morgen, die 
in sich die neuen Evangelien der Farbe tragen, alle einen sich in gleicher 
Liebe. Wenn es doch für uns etwas Aehnliches gäbe! Wenn wir doch in 
Berlin endlich lernen würden, die Weltstadt und Umgebuug, Leben und 
Menschenwerk mit Künstleraugen zu sehen und wenn bei uns für ähnliche 
Bestrebungen der geringste Rückhalt wäre! Still davon! Ich kenne einen 
Maler, der allenthalben als der treueste Schilderer des Berliner Vorstadtlebens, 
seiner Menschen, wie Stimmungen angesehen und laut gepriesen wird, und 
der in seinem Leben ungefähr 50 Bilder gemalt, aber kaum eines je verkauft 
hat. Dass’ aber gar die Leitung der Nationalgallerie — vielleicht als Neben- 
beschäftigung, so ganz in ihren Mussestunden — sich ein wenig für die spär- 
liche Berliner Lokalkunst interessieren möchte, — weit entfernt. Still davon! 
Der Nutzen dieser Bilder aus Hamburg für die künstlerische Erziehung 
des Hamburgers ist unberechenbar, und auf andere Gebiete greift er über, so 
in die Architektur: „Niemand kann es uns eindringlicher sagen, als der Maler, 
dass bisher in Hamburg nichts entstanden ist, das für unsere Luft und unser 
Licht so vortrefflich empfunden ist, wie die bürgerliche und ländliche Archi- 
tektur des 17. und 18. Jahrhunderts‘. Wir brauchen uns nur die „Strasse in 
Altenbruch“ von Thomas Herbst anzusehen, um das zu erkennen, die „Diele 
des Herrenhauses von Waltershof‘“ von Hans Olde, und die anderen mehr. 
Valentin Ruths, Lutteroth, die alten; Skarbina, Dettmann, Liebermann, 
Hans Hermann, Hans v. Bartels, Gotthard Kühl, Momme Nissen der Däne, 
Fritz Thaulow der Norweger, jetzt Kalkreuth, der erste Künder des Hafens, 
und dann jene Gruppe der Jüngeren, Mohrbutter, Siebelist, Eitner, Kaiser, 
v. Ehren, Schaper, und der vorzügliche Arthur Illies — jeder redet da eine 
andere Sprache, und durch alles klingt doch der eine Ton. Man vermag 
ein glücklicheres Mittel der künstlerischen Erziehung für Arm und Reich kaum 
auszudenken, als diese „Sammlung der Bilder aus Hamburg“. 
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Das Hamburg früherer Jahrhunderte, bis in das 19. Jahrhundert hinein, 
besass eine Unzahl reicher Privatsammlungen, aber eine plötzliche Bilderfeind- 
lichkeit oder geschäftliche Umwälzungen liessen in den ersten Jahrzehnten 
des vergangenen Jahrhunderts die Schätze in alle Winde verstreuen; heute
	        
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