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Hamburg. Stadt und Kunst (1901)

Full text: Skizzen und Silhouetten / Hermann, Georg (Public Domain)

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feine Beobachtung) — etwas konventionell wirkt, sind seine landschaftlichen 
Kartons, — Dinge nicht für den Verkauf bestimmt, sondern zu seiner eigenen, 
geheimen Augenweide geschaffen, — ganz modern in der Wahl der einfachen 
Motive und gleich modern in der tonigen malerischen Behandlung des Zeichen- 
materials ; Studien, wie der „Sandweg“ oder die „Heimkehr vom Felde“, sind 
Motive, wie sie Liebermann wählen würde, und sie sind von ihm erfasst mit 
der ganzen Grösse und einfachen Poesie ihrer landschaftlichen Armut. Andere 
Kartons bringen ihn ‚dem vorzüglichsten deutschen Tiermaler Schmitson nahe 
— der nunmehr auch schon siebenunddreissig Jahre todt ist; so jene Pferde, 
welche im Schneegestöber .ihre Holzfuhre bergan reissen, in letzter wilder An- 
strengung. Eine Leistung ist das gleich gross und dramatisch wie der grosse 
Schmitson der Kunsthalle: „Das scheuende Ochsengespann‘“. Aber auch unter 
den anderen Landschaften finden wir frühe und interessante Arbeiten; das 
starke Naturgefühl des Niedersachsen liess sich nie durch akademisches Schema 
unterdrücken und auch zu Zeiten der welterschütternden Historien war Ham- 
burg eine ferne, ruhige Insel einer simplen bürgerlichen Kunst, auf der eine feine, 
anspruchslose Landschaftsmalerei erwachsen konnte. Die heutigen Hamburger 
haben gute Vorarbeit, während wir jetzt erst daran gehen müssen, unsere 
Mark zu entdecken. 
Da ich mich mehr und mehr dem Schlusse meiner Ausführungen nähere, 
und ängstlich abwäge, was darfst Du noch geben, was nicht, was sollst Du 
aus dieser Fülle herausgreifen, so werde ich verzichten, etwas über die mo- 
derne Abteilung der Kunsthalle zu sagen, die eine rechte Anzahl guter deutscher 
Werke, — voran die „Netzflickerinnen“ von Max Liebermann neben interessanten 
französischen Beiträgen zur Entwickelung der Farbe — enthält und werde nur 
die „Sammlung von Bildern aus Hamburg‘ mit einigen Worten erwähnen. 
Schon in den dreissiger Jahren stand im Programm des Hamburger Künstler- 
vereins das Streben: „Hamburgs Wesen durch Kunst auszudrücken‘. Lange 
Jahrzehnte des Rückschritts folgten, schlimme Zeiten für die Hamburger Kunst, 
bis man endlich im Jahre 1889 den alten Wünschen wieder neues Leben 
gab, und heimatlich gesinnte Männer jene Abteilung der Kunsthalle schufen, 
die uns heute vor allem beim Besuch der Kunsthalle, durch das Leben, 
welches sie ausstrahlt, so freudig überrascht. „Keine Hamburgensien, sondern 
Kunstwerke“ sind es, und doch giebt in allen das lokale Kolorit die gemein- 
same Note. Das malerische Hamburg zieht an uns vorüber, wir lernen, wo-
	        
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