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[Briefe]

Full text: Briefe von Herman und Gisela Grimm an die Schwestern Ringseis / Grimm, Herman (Public Domain)

Liebe Bettina. 
es wird eine Zeit sein, wo wir alle wieder wie 
Kinder sind und unser Herr und Meister uns alle zu 
sich rufen wird. Dann wird der furchtbare un— 
aufhörliche Wechsel innerster Gefühle aufhören, der 
uns hier mit Neid die Kinder anblicken läßt, unsre 
Tage werden dann sanft und ruhig sein wie die der 
ewigen Gestirne. Wir Protestanten glauben wie Ihr 
Katholiken an die Gemeinschaft der Heiligen, und die 
Mutter Christi ist mir immer freundlich, gütig und 
hilfreich erschienen. Michelangelo's Maria in der 
Peterskirche hat die selige Giesel oft auf dem Fuße 
des Pfeilers unter ihr sitzen sehen. Ganz besonders 
liebte Giesel den hl. Bruno von houdon in Santo 
Maria degli Angeli. Es ist neulich die erste flüchtige 
Niederschrift Goethe's zur letzten Scene Fausts zu 
Tage gekommen. Im Druck tragen die Engel des 
„Fausts Unsterbliches“ empor: in dieser Handschrift 
kommt Maria herab, nimmt Faust, der sich in ein 
Kind verwandelt auf den Arm und trägt ihn empor. 
Du kannst in Rom an allen heiligen Stätten meiner 
gedenken, die auch mir heilig sind weil Millionen 
Menschen ihre höchsten Gedanken da neugedacht 
haben. Ich glaube an keinen Unterschied der Reli— 
gionen, sie streben alle demselben Ziele entgegen. — 
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