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[Briefe]

Full text: Briefe von Herman und Gisela Grimm an die Schwestern Ringseis / Grimm, Herman (Public Domain)

die geistlichen, und zu unserer Überraschung sprach sie 
von der Sibylle von Tibur mit ganz besonderer An⸗ 
erkennung. Über das Märchenspiel „Die Getreue“ 
(nach dem singenden, springenden Löweneckerlein in der 
Sammlung der Gebrüder Grimm), das Emi dem Che— 
paare während eines ihrer Münchner Besuche vorgelesen 
hatte, schrieb mir Gisela noch von Berlin aus: „Das 
war fast das Schönste, was ich je von ihr gehört habe, 
weil es so poetisch war. Die Ert, wie sie Sonne, 
Mond und die Winde aufgefaßt, ist so ttief aus dem 
Herzen, so ungeziert, so voll Naturgefühl, daß ich ganz 
entzückht war. So muß das Märchen hervortreten in 
seiner ganzen Wahrheit und Großartigkeit, und doch 
ist alles so fein und tief zu einer sinnigen Beziehung 
geworden.“ 
Mit welchem Schmerz, ja mit welcher Empörung 
erfüllte sie ‚die Vernichtung Roms“ durch die Italiener. 
Für uns war dies die letzte Ronsequenz von allem 
Vorhergegangenen. In ihrem Vorwort gibt sie der 
Entrüstung über den barbarischen Materialismus der 
Sieger kräftigen Ausdruck. 
Schon im herbst erschien das Buch, und im Dezember 
schrieb Grimm in Erwiderung auf den Dank für 
dasselbe: 
Liebe Emi, 
sch danke Dir für Deinen Brief. Für Alles was er 
enthält, Gesagtes und nicht Gesagtes. Ich habe vor 
nun einem Monat schon, meinen Bruder verloren, 
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