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[Briefe]

Full text: Briefe von Herman und Gisela Grimm an die Schwestern Ringseis / Grimm, Herman (Public Domain)

lange nach: was ist das, was thut dir so wohl? — 
dann fiel mir die Hehnlichkeit mit Eurer Mutter 
ein! 
Und nun dies Alles verschwunden für diese 
Zeit — was uns kein zweiter Mensch, kein andres 
Gesicht geben kann — halb verschwunden, war sie 
für mich doch da — ich sah ja nicht ihr Leiden, so 
wie ihr. — Die Freundlichkeit ECurer Mutter hat 
mich immer so tief bewegt — weil sie sonst etwas 
stolzes und großes in ihrem Sinn hatte — und nur 
so war, wo sie lieb hatte und achtete. — In dem 
Sein ein Münchner Kind — denn in andren Städten 
sind selbst die Besten nicht mehr so frei, wie gute 
Ceute bei Cuch — so war mir's wenigstens und ihr 
lustiger Sinn — fern aller siechen Sentimentalität — 
Treues und Rechtes aber so entschieden fühlend — 
ihre Phantasie die bei ihr wie ein Gast in redlichem 
haus wohnte — ohne ganz der herr zu sein, oder 
sie zu verwirren. O Ihr lieben Seelen, ich glaube, 
ich habe die liebste Mutter etwas verstanden und 
gefühlt — und ich weiß wohl etwas, wie Euch ist. 
Halb voll tiefsten Jammer, denn eine Mutter 
von uns gerißen — ist wie selber vom Stamm ge⸗ 
rißen — und doch Gott dankend, daß das CLiebste 
sich nicht quält. 
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