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Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

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II. Kapitel. 
als ob je irgend eine Möglichkeit des Realen in ihnen gelegen 
habe, dieser ihr närrischer Wahn, Einfluß zu haben auf ein 
Volk das weit über sie hinausragt, und zwar nicht durch 
Geist den sie nicht haben, sondern durch usurpirende Macht, 
das macht sie noch ganz blödfinnig. 
O Majestät! Was liegt an Monumenten für die Ver— 
gangenheit, grade in so gewichtigen Augenblicken der Gegen— 
wart! Und: wie sollte noch etwas zum Luxus des Geistes 
geschehen, während er noch in so harten Fesseln liegt. Welche 
Schmach ihn zu feiern, diesen Goethe, dessen heiligstes Prinzip 
es war die Geistesfreiheit zu vertreten. 
Und wenn die Frage wär, ob ich andre beschuldige und 
Euer Majestät aber, oder vielmehr jenen Mann für unschuldig 
halte, so ist das nicht. Nein die Schuld muß der tragen der 
den Geist hat der allein ist verantwortlich, denn er allein 
kann die Schuld auch wieder sühnen. Und mißverstanden 
werden das ist gar nicht bei des Geistes naturgemäßen Prinzipien 
möglich, denn sie sind so einfach daß sie in jedem gerechten 
Willen widerhallen. Und die Schuld auf sich nehmen das 
ist auch immer größer als sie abwälzen. Und die einzige Weise 
wie der Gott uns erscheine ist, daß wir in die eigne Seele 
hinein unsre Beweggründe erforschen, und wenn diese im Ver— 
gleich mit dem Göttlichen nicht aushalten, sie verwerfen. so 
kann etwas ein moralischer Grundsatz sein und muß von einem 
Genialen sich lassen in die Flucht schlagen, ein religiöses 
Prinzip kann mit einem göttlichen Begriff vernichtet werden 
und so muß es sein, sonst werden Dir die heiligen Quellen, 
aus denen die Kraft der Macht Dir zuströmt nemlich der 
Geist Dir nie sich erschließen. — Was doch fürchtest Du, ist 
der Gott ein unlebendiges Wesen das man wie eine Puppe 
auf dem Postament befestigen muß? — oder hat er Leben, und 
dann! — übergreift sein Leben nicht tausendfach das Deine? —
	        
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