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Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

Bettinens Brief 11./12. April 1848. 25 
wollen daß ihr Herz unter des Treibers Peitsche keucht, die 
einst als Waffenbrüder mit hundert Armen voll herrlicher 
Strenge gemeinsamer Treue und Kühnheit Dich noch umschlingen 
konnten. Hättest Du Dich ihrer erbarmt. Konntest Du nicht 
eingehen in ihren Kerker, und verstehen lernen von ihnen, 
was fie bewegt hatte mit der Fackel die Haide anzuzünden, 
und warum sie nicht vertragen konnten glücklich zu sein in 
der Sittenschule des Staates! wie es heißt im Munde der 
Knechte. Es war vielleicht blos weil man so heillos dem 
Siegeslauf der Menschheit Klötze in die freie Bahn eingerammt 
hatte, da legten sie Minen an und wollten sie lossprengen. 
Hättest Du nur Dich ihrer angenommen und sie belehrt daß 
auch im Dulden einlenken sei der Zeit, und daß ja das Leben 
der Welt bald im Aufflug sich entfalte und auch in der Rück— 
kehr zu sich selbst. Wär das Dir zu viel gewesen sie zu 
retten? sie Dir zu gewinnen, ganz und für immer? — 
Und wär das Schicksal auch wie die Megäre über Deine Zeit 
hergefallen; sie hätten gestritten mit ihm für Dich wie der 
junge Herkules sie bekämpfte. 
So war denn auch mir das Traumleben verscherzt weil 
die Wirklichkeit da hereingebrochen war und mich schmerzlich 
verwundete und weil Du anders warst wie meine Träume Dich 
wollten. Bald nachher kam Dir eine freudige Zeit, ein Tag 
des Glückes mit geläuteten Glocken mit Volksjubel durchstürmt. 
Die Menge mit Glückwünschen ohne Zahl umströmte Dich, und 
meine Träume schwiegen in dieser lauten Wirklichkeit. Ich 
dachte der Gefangenen denen man in der Mitte ihrer Jugend 
die Begeistrung und alle erwachenden Gefühle in wilden Haß 
umwandelte. — Es war mir schauderhaft zu denken und der 
Athem verging mir an jenem Tag voll Sonnenschein, daß 
drunten am dunklen Ort mancher das Freudejauchzen ver— 
nehme und dabei verzweifle. Und wie könnte er doch be—
	        
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