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Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

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II. Kapitel. 
Und wenn ich den Becher ihm reichte wie dann ein höher 
Besinnen auf der trunkenen Stirn ihm leuchtete und Gelübde 
von der Lippe ihm aufstiegen, kühn der Zukunft in die Mähne 
greifend und im Sturm vorwärts jagend Feuergewappnet den 
Philistern zum Trotz und der bleiernen Zeit. — Ja so wars 
der Schellenklang der Welt begleitete falsch und lächerlich mir 
die liebsten Melodieen. Die Klugen und Vernünftigen zer⸗ 
traten barbarisch das Geflecht meines geträumten Glücks. 
Andere Dinge rissen mich da heraus ich konnte nicht mehr 
mit Träumen spielen. — Und was liegt doch daran wer 
Herr sich wähnt vom Vaterlandsboden wenn ungerechte Feig— 
heit Aller Tirrann ist des Herrn wie des Unterthanen, und 
wenn die Großmuth auf schmalem Beete nur gepflanzt wird, 
als Zierpflanze um da und dort bei öffentlicher Gelegenheit 
einen schmückenden Strauß zu binden. Wie elend ist das! — 
Ach die Philisterwelt, wie schwere Unthat übt sie oft um dem 
Unrecht nachzuspüren und unendliche Tücken und Boßheiten und 
das Unrecht zu erweißen und wie verfolgt sie die eignen 
Nachkommen als ob sie ihr die Zukunft nicht gönnte. Und 
wie wars, daß mein junger Held schwieg? — Konnte er 
den jungen Anflug einer künftigen Generation so verderben 
sehen? — Viele von denen in einem Jahr mit ihm geboren 
weil sie hingerissen waren von unendlichen Hoffnungen, weil 
das Begeisterungsfeuer zu stark in ihnen loderte, wurden ge— 
martert und der Freiheit beraubt. Wer scheidet leicht von dem 
stolzen Irrthum der Jugend, Wer kann ohne Schmerzen kühnen 
Gedanken und feurigen Entschlüssen entsagen? — War denn 
kein ander Mittel sie Euch zu versöhnen! — Aber die Phi— 
lister haben ein eignes Gelüste sich an ihrem Gegentheil 
zu rächen. 
Und Du junger Traumgenosse so herrlich Menschenliebend 
könte Dein hohes Herz mir im Geiste wieder, konntest Du dulden
	        
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