Path:
Anhang II. Bettine von Arnim Mitarbeiterin an einem historischen Werke

Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

214 
Anhang. 
Daß diese beiden Berichte ganz unabhängig voneinander ent— 
standen sind, läßt sich gewiß nicht annehmen. Sie stimmen zu sehr 
miteinander überein, nicht immer wörtlich, bald ist Bartholdy bestimmter 
und wortreicher, bald Bettine declamatorischer; die präciseren Angaben 
jenes Historikers erklären sich leicht daraus, daß exr dem Publikum 
eine genaue, ins Einzelne gehende Geschichtserzählung zu bieten hatte. 
Drei Möglichkeiten bieten sich bei solcher Sachlage dar: 1. Beide 
Berichterstatter haben aus einer Quelle geschöpft, dem von Bartholdy 
genannten Briefe von Campi und „dem sehr detaillirten Brief eines 
geistlichen Augenzeugen“. 2. Bartholdy hat beide oder wenigstens die 
letztere von Bettine erhalten. 3. Bettine hat aus Bartholdy geschöpft. 
Die dritte Möglichkeit halte ich für ausgeschlossen; es entspricht der 
Arbeitsweise Bettinens zu wenig, daß sie bei der Composition ihres 
Briefwechsels für die Erzählung eines historischen Factums ein vor 
20 Jahren erschienenes Buch vorgenommen und excerpirt habe. Die 
l. und 2. Möglichkeit fallen gewissermaßen zusammen. Sie sind mehr als 
wahrscheinlich. Bettine konnte ihre Briefe an Goethe nicht herleihen, 
als Bartholdy die Ausarbeitung seines Buches vornahm, denn sie 
—DDD0 
das von ihr gesammelte Material darbieten. Der Umstand, daß ihr 
Name durch Bartholdy nicht genannt wird, braucht uns nicht irre zu 
machen; damals (1814) lag ihr, wie schon bemerkt, jedes Hervortreten 
an die Oeffentlichkeit durchaus fern. Ist das Schweigen des Einen 
daher irrelevant, so ist das Reden des Anderen bedeutungsvoll. Denn 
welchen Grund konnte Bettine haben, ihre Beisteuer zu jenem Buche 
su erwähnen? Gekränkte Autoreneitelkeit konnte es nicht sein; das 
Werk war vor einem Vierteljahrhundert erschienen; sein Autor war 
lange todt; Immermanns und Heines Werke, durch welche die Auf—⸗ 
merksamkeit wieder auf die halbvergessene Schrift gelenkt worden war, 
vor einem Jahrzehnt erschienen. Nathusius endlich, ein eifriger Ge— 
schäftsmann und nur gelegentlich als lyrischer Dichter thätig, war 
gewiß nicht der Mann, als Verkünder des literarischen Ruhms seiner 
Freundin aufzutreten. An der Richtigkeit ihrer Behauptung wird sich 
also nicht zweifeln lassen; daß sie gerade diesem Jüngling davon 
Mittheilung machte, erklärt sich wohl daraus, daß sie beim Kramen 
in alten Papieren auf jene Tiroler Briefe oder auf das Bartholdysche 
Buch stieß und ihren noch nicht hervorgehobenen Autorenantheil bekannt 
machen wollte. 
Nimmt man nun die Richtigkeit von Bettinens Angabe an, so 
ist nur noch der Nachweis zu erbringen, daß Beziehungen zwischen 
der Schriftstellerin und dem Verfasser jenes Buches bestanden. Dies
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.