Path:

Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

1. Brief Bettinens an den Kronprinzen. f 
die Kluft sei zwischen diesem inneren rückhaltlosen Vertrauen 
und jener fremden Annährung, die mir erlaubt sein würde in 
der Wirklichkeit, und da ich das erstere, aus dem so manches Be— 
geisternde mir hervorgegangen war, nicht aufopfern wollte, so hab 
ich mir versagt, aus dem Kreis meiner innern Welt zu treten. 
Doch liegt mir Eins auf dem Herzen, ein Gelübde, was ich mir 
gethan habe und was eben, weil dies innere Vertrauen so ungestört 
sich in mir entwickelt hatte, mir so leicht zu erfüllen schien. 
Ich habe zwei Freunde, deren reines Gewissen ihnen allein 
alles vergütet, was sie ihm opferten, die an die Welt nur dies 
eine Begehren haben, daß die Reinheit ihrer Gesinnung von 
den Besseren ihrer Zeit anerkannt werde; denen hab ich gelobt, 
ihre Lauterkeit vor den Augen des Kronprinzen darzulegen. 
Denn nach allem Großmuthvollen, nach allem Vorurtheilfreien 
und Selbstverläugnenden, was durch diesen inneren Verkehr 
sich mir im Charakter und Geist des Kronprinzen enthüllte, 
schien Er mir der erste, ja der einzige, dessen Erkenntniß 
Ersatz ihrer Opfer gewähre. 
Wie soll ich aber die Lösung meines Gelübdes der un— 
gefälschten Anschauung des Fürsten vertrauen, der mitten im 
Umschwung der Zeiten der Wahrheit Steuer zu lenken berufen 
ist, ohne die Grenzen, in denen die Scheu Ihm gegenüber 
mich hält, zu überschreiten und an jenen inneren Freund mich 
zu wenden, der absichtloses Vertrauen mit Nachsicht aufzu— 
nehmen geneigt ist! — Und warum nicht? — Ist doch ein 
großer Fürst zu sein nur dies eine: die Rechte der Menschheit 
dor dem inneren Gewissen geltend zu machen. 
Ich wende mich daher nicht an den Kronprinzen der 
Welt, ich wende mich an den herablassenden Freund jener 
inneren Mittheilungen, der mir erlaubt, ohne Rückhalt den 
entschiedensten, den in die Wahrheit eingreifendsten Weg zur 
Lösung meines Gelübdes einzuschlagen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.