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Anhang I. Wann ist Bettine geboren?

Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

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Anhang. 
von Bettine, sondern von ihrer Freundin Günderrode her, ist also 
durchaus nicht beweiskräftig. Sodann ist das Zeugniß der Frau 
Belli-Gontard deßwegen nicht so leicht von der Hand zu weisen, weil 
diese aus officiellen Blättern schlichte Auszüge gibt, die sich im all— 
gemeinen als sehr wohl begründet erwiesen haben. Ferner wäre es 
ein merkwürdiges Spiel des Zufalls, wenn, selbst in einer so kinder— 
reichen Familie, wie die der Brentano's war, zwei Mädchen innerhalb 
83 Jahren fast an demselben Tage geboren wären. Endlich müßte 
der nicht eben gewöhnliche Fall angenommen werden, daß die Namen 
zines früh gestorbenen Kindes einem neugeborenen beigelegt wären, 
eine Eigenthümlichkeit, die man pietätvollen Eltern nicht gerade zu— 
chreiben dürfte. 
Jahresangaben seitens solcher Frauen, die es mit Zahlen und 
Daten nicht genau nehmen, können für Feststellungen historischer Daten 
nicht ausschlaggebend sein. Auf Bettine, deren Glaubwürdigkeit 
keineswegs über allem Zweifel erhaben ist, wie die neuesten Biographen 
uns glauben machen wollen, ist in diesem Falle um so weniger Ge— 
wicht zu legen, als sich aus dem Buche „Die Günderode“ ein directer 
Beweis gegen ihre von Steig hervorgehobene Behauptung führen 
äßt. Bettine erzählt nämlich („Die Günderode“, neue Ausgabe, 
Berlin 1890, Seite 296) viel von ihrem Großvater Laroche und 
bemerkt, „ich war 2 Jahre, als er starb“. Nun starb aber Herr 
v. Laroche am 21. November 1788. Bettine ist daher nach dieser 
ihrer Angabe 1786 geboren. Was sie aber weiter von ihrem Groß— 
bater erzählt, trägt so durchaus den Stempel der Glaubwürdigkeit, 
besitzt den Charakter des Wirklicherlebten, so daß man wohl annehmen 
kaun, ein sehr entwickeltes zweis oder dreijähriges Mädchen habe diese 
Sachen erlebt und in treuem Gedächtniß bewahrt, aber unmöglich 
diese Erlebnisse auf ein Kind von etwa 7 Monaten beziehen kann. 
Gegen dieses Zeugniß dürften also die bisher geltend gemachten Zeug— 
aisse für das Geburtsjahr 1788 nichtig sein. 
Aber Steig hat noch ein anderes Zeugniß für dieses Jahr bei— 
gebracht. Er schreibt a. a. O.: „Das Jahr 1788 wird für 
Bettinens Geburt durch ein noch vorhandenes, von Marimiliane 
Brentano selbst geschriebenes Geburtsregister ihrer sieben am Leben 
gebliebenen Kinder bestätigt und außer Zweifel gesetzt“. Leider müssen 
wir uns mit dieser sehr allgemein gehaltenen Notiz begnügen; wir 
werden genöthigt, auf Treue und Glauben die Angabe hinzunehmen, 
da mit einer Vornehmheit, die in wissenschaftlichen Dingen nicht zu 
bisligen ist, der Wortlaut dieses als Urkunde benützten Documents 
borenthalten wird. In seinem Buche „Arnim und Brentano“ (Stutt—
	        
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