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Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

Gespräche mit Dämonen. Inhalt und Beurtheilung. 197 
einem Urtheil des Herrschers ist nichts bekannt; „nur einige Hofleute“ 
notirt der oft angeführte Gewährsmann (1. September) „sprechen 
davon in mißliebigem Sinn und sagen, Bettine habe in diesem Buche 
den König gefoppt“. A. v. Humboldt urtheilte, wie wiederum Varn— 
hagen schon am 20. Juli zu berichten wußte, gleichfalls ungünstig; 
gradezu vernichtend ist unseres Gewährsmannes eigenes Urtheil 
(18. April): „Uebrigens ist das Buch das verworrenste, gestalt— 
loseste, verstimmendste, das Bettine geschrieben hat. Es sollte ein 
Königsbuch sein, aber auch ein Volksbuch; was dem einen taugt, 
taugt dem andern nicht. Anfangs war es dem Jubelfeste Goethes be— 
stimmt, dann sollten die Magyharen verherrlicht werden, dann der 
König vor der Reaktion gewarnt werden. Alles das ist nun 
zu spät und hat auch in sich keinen Zusammenhang. Schöne 
Stellen in Menge, glückliche Gedanken und Bilder, kein Ganzes“. 
In gar Manchem wird man sich dieser herben Verdammung 
anschließen müssen. Das Buch ist ohne jede Eintheilung. Nur 
ein geschichtlicher Abschnitt trägt einen bestimmten Titel: „Die 
Klosterbeere, zum Andenken an die Frankfurter Judengasse“. Den 
ersten kleineren Theil macht eine Unterredung Bettinens mit dem Fürsten 
Primas aus; den bei weitem größeren Theil des ganzen nimmt 
eine Unterhaltung des Dämon und des schlafenden Königs ein, 
die nur gegen das Ende dadurch unterbrochen wird, daß Volks— 
geist, Volk, Polen, Ahnengeister, Völker, Lombarden, Gallier, 
Germanen, Proletarier, Sobieski, zum Schluß der Geist des 
Islam sich in die Unterhaltung mischen. Gewiß ist es im höchsten 
Grade unkünstlerisch, ein Gespräch des Dämon und seines Be— 
gleiters mit dem schlafenden König fast 300 Seiten durchzuführen. 
Am Anfang findet sich einmal das Datum 1808, in den ersten 
Partieen häufige Anreden an Goethe. Auch sonst liebte sie ihre 
alten Fictionen vorzubringen; einmal heißt es: „Bisher das Ge— 
spräch mit dem Primas nachgeschrieben“. Zur Erinnerung an 
die ihr früher zu Theil gewordene Censur, heißt es jetzt vielfach
	        
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