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Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

18314 
VII. Kapitel. 
Die Blüthen und das Laub der Bäume, am Tag mit 
Staub befleckt und mit bösen Inseckten, die der Wind daher 
getragen bringt! Die wäscht der nächste Morgenthau wieder 
rein! und überzieht sie mit Duft der Unschuld gegen das Gift, 
was der Zufall wieder herbeiführen könnte! Wir aber können 
nicht einmal thun, was Gott im Wirken der Natur uns jeden 
Tag aufs neue vorschreibt. Der kindliche Gott, der den 
Menschen durch die pflegende Natur Weisheit lehrt! Und ein 
König sollte nicht dieser Weisheit Balsam in sich sammelnd 
nieder regnen auf die Sünder! Wie die Natur die Blüthen 
reinigt und sie zu Früchten noch gedeihen macht! 
Und die Mutter, die mit dem Kinde spielt und ihm seinen 
bösen Willen vergessen macht, damit es nicht wisse, daß es bos⸗ 
haft war und nach der Mutter schlug! und Gott, der dies der 
Mutter ins Herz legte, hat nicht minder guten Willen gegen 
den Sünder, der sein Kind ist! — 
Ich habe da unvorsichtig wieder soviel geschrieben, weil 
ich so gern mich vor Euer Majestät ausspreche, weil es eine 
alte Gewohnheit ist meiner Träume! Nehmen sich Euer Majestät 
das Beste heraus! Und über das was ich in meinem lezten 
Schreiben über „Mörder dingen' schrieb, darüber werd ich 
dicht geben. 
Euer Majestät 
am 8ten August 1849 
unterthänigste 
Bettine Arnim. 
„Strenge und vortrefflich“. Man kann das Vorstehende 
nicht besser bezeichnen, als mit diesen Worten, die Varnhagen braucht. 
Es ist Bettine von ihrer besten Seite, mit ihrem Feuereifer und 
ihrer Selbstlosigkeit; wie weiß sie sich in die Gefühle der Mutter zu 
versetzen, in das Gemüth der Frau, die, ehedem geliebt und ver— 
ehrt, nun von den Bösen verhöhnt wird. Wie weiß sie, strenge 
und ernst der Worte der Männer sich bedienend, die ihrer
	        
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