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Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

16. Brief Bettinens, 18. () September 1848. 135 
den Volkswillen zu seinem Fürsten, der Eins mit Ihm zu sein 
verheißet? — Das Volk erwartet, was es für seine Zukunft 
vermag, es entbehrt nachsichtig was man nicht vermag und 
verlangt wenig und weniger, so lange es an der Aufrichtigkeit 
seines Herrschers nicht zweifelt. Es läßt sich zu den größten 
Opfern bewegen, nur dem Unsinn, der es mit Gewalt unter⸗ 
drückt, widerstrebt die Macht seiner Natur; nur dieser kann es 
zum Ausbruch verleiten. Dann aber treten seine lang ver— 
haltenen Ansprüche mächtiger auf als Kanonen und grausame 
Gewaltthaten, denn es hat die Ausdauer auf seiner Seite; 
mit der eisernen Consequenz seines Selbstgefühls tritt es in 
die Schranken. Es läßt sich ankämpfen, vernichten, aber es 
reißt seine Besieger mit in seinen Sturz. 
Die andern aber, die aus lauter Aufopferung und Maje— 
stätstreue zu bestehen sich verschwören, — was sind denn diese? 
Man ziehe ihre in geheimen Intressen verpfändeten Bestre— 
hungen von ihnen ab, was bleibt dann übrig als folgendes: 
„Wenn der König nicht will, wie wir wollen, wenn 
er einen andern Weg einschlägt, so wählen auch wir 
einen andern Weg, der wird uns schon zum Ziel 
führen und wird unsern Berechnungen den Charackter 
schon herleihen müssen!“ 
Ja sie können das wohl meinen, mit solchem Frevel 
einen Riegel vor die Weltereignisse zu schieben, denn sie wissen 
nur von sich, sie kennen nicht die organischen Volkskräfte, die 
weder zu bändigen noch zu umgehen sind. Das Volk hält 
aus, bis es feinem Würger unterliegt; was würden aber diese 
selbstsüchtigen Volksfeinde dem König für einen Ersatz gewähren 
fur die Liebe des Volkes, das von seiner Großmuth über⸗ 
waͤltigt, alles Erlittne vergißt und seine frühere Verbittrung als 
schwere Verschuldung wieder ausgleichen möchte durch seine 
Treue!
	        
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