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Full text: Bettine von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. / Arnim, Bettina von (Public Domain)

14. Brief Bettinens an den König. 117 
die Gesellschaft geüüt. Nur wenn mein guter Dämon mich 
trieb, mich des Höheren und Besseren anzunehmen, hab ich mich 
oft in Stellungen versezt, die andre gewagt nennen, aber nie, 
daß ich hätte eine Rolle spielen wollen. Meinem geistigen 
Trieb nach würde ich vorziehn, in der Einsamkeit dem Genuß 
und der Uebung der Kunst mich zu widmen; dies würde 
meine Welt ausmachen. Nur das Erhabne befriedigt mich; 
nur dann fühl ich mich Sündenlos, wenn ich von einem Geist 
bewegt bin, der mich belebt; die Griechen nennen ihn Genius, 
und was ich wohl früher dem König sagte, es war dieser 
Geist, der es mir auftrug. Und ich hätte wohl fortgefahren 
in diesen Mittheilungen, aber man sagte mir, der König halte 
dies alles für ungeeignete Schwärmerei und achte dessen nicht. 
Und er war auch so in seinem Verhalten, daß ich wohl sagen 
konnte mit David: „Herr, warum hast Du mich verlassen?“ 
ich verlor den Glauben, daß meine Liebe und Begeistrung in 
ihm einen Anklang fände. Doch ist diese Begeistrung mir 
alles, ich steh dem König näher in ihr wie jedes andre Wesen, 
in dieser Begeistrung begründet sich die Entwicklung seiner 
höhern Natur, die keiner kennt, die jeder mißversteht und er 
selber. — Wer wird ihn erzeugen in sein eignes Selbst, wenn 
es nicht der Begriff ist dieses Selbstes, und der liegt in mir. 
Es ist nicht Schweres, es ist etwas leichtes, den König in 
liebender Umarmung zu verschwistern mit seiner Zeit, aber es 
ist die höchste Zeit, denn ein edler Keim, dem sein gedeihender 
Boden lange entzogen ist, der welkt. Ich muß es dem König 
sagen und ihn anflehen, er wolle das Ungewöhnliche darin nicht 
verdammen! — ich muß ihn bitten, jezt, wo die Bahn ge— 
brochen ist, daß er mich auf dieser fortschreiten lasse, daß ich 
an seiner Seite darf bleiben und alle Kräfte für ihn verwenden. 
Ich allein kann es ihm erleichtern, daß er seinem Volk in sich 
gerecht werde, das heist, daß er aller Ungerechtigkeit entgegen—
	        
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