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5. Unter dem großen Waldemar

Full text: Berlin-Kölln / Richter, Julius Wilhelm Otto (Public Domain)

Unter dem großen Waldemar. 
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Nun griffen alle nach ihren Kappen und Hüten und eilten hinunter. Mitten 
in einem dichten Knäuel von Menschen ragte ein Krieger empor; es war Kopkin, 
der Knochenhauer. 
Kopkin, Mann, kommst du aus des Markgrafen Heer? — rief Krähenfuß 
außer Atem, durch die Menge sich drängend, — Und bringst du uns Sieg oder 
Verderben? 
Der, lange Krieger wendete sich schnell zu dem Sprecher, und als er 
Krähenfuß, den Propst und deren Bealeiter herbeieilen sah, entgegnete er in 
ziemlicher Ruhe: 
Ihr stellt der Fragen zu viel auf einmal, Herr Albrecht; sie lassen sich nicht 
mit wen'gen Worten erwidern! So wisset denn, daß ich freilich aus der Schlacht 
omme, und sie war grimmig genug, dort auf, dem Blachfelde bei Schulzen- 
dorf, unweit von Gransees.“. Ob wir gesiegt? Schwer war der Anprall 
unsers Heeres gegen den fast doppelt überlegenen Feind; mancherlei Wechsekfälle 
bedenklicher Art auch brachte das Ringen der Kämpfer gegen einander, dem erst 
die Dunkelheit des gestrigen Tages ein Ende machte, doch wir hielten uns gut, 
und als wir im Schatten der Nacht uns vom Schlachtfelde eine kleine Strecke 
zurückzogen, waren wir ungebrochen! Da rief mich der Fürst zu sich und 
prach: Bist du wohlauf und kräftig genug, es wagen zu können, so mach eilend 
zum Schlosse Werbellin am Ufer des gleichnamigen Sees dich auf, wo Agnes, 
meine Gattin, sorgend weilt, ihr zu verkünden, daß ich gesund und der Hoffnung 
sei, alles werde noch gut gehen ... Herr, erwiderte ich, euer Befehl soll punktlich 
vollführt werden! Als ich mich schnell zum Weggange wende, um mein Jienge 
zu satteln, ruft er mir nach: Wenn du Werbellin glücklich erreicht hast, kannst du 
auch deiner Vaterstadt Nächricht bringen, damit meine Berliner nicht unnötig 
besorgt sind; doch laß auf dem Jagdschlosse dein Roß sich erst ein wenig ver⸗ 
schnaufen und raste du selbst; ihr möchtet sonst die Strapazen nicht überdauern! ... 
Also hab' ich gethan — und bin nun hier an den Ufern der Spree! 
Beifallsrufe tönten von allen Seiten dem Knochenhauer zu, Hans Sone 
aber sagte: 
Hier in der Nähe steht, wie du weißt, mein Hof; komm einen Augenblick 
mit mir hinein, einen Becher welschen Gewürzweins zur Stärkung zu leeren. 
Dein Roß hält indessen mein Knecht vor der Thür und reicht ihm Zugleich eine 
Hand voll Futter. 
Also kehrten die Gäste Sones mit diesem und dem Knochenhauer in das 
trauliche Zimmer des Patrizierhofes zurück. Sones Gattin Katharina füllte 
schnell den großen Krug aufs neue, und als ein jeder mit dem Wuͤrztrank ver— 
sehen war, wurden auf Kopkins Wohl die Becher geleert. Schon üaber hatte 
Krähenfuß diesen mit neuen Fragen bestürmt, daß er genauer den Verlauf der 
gestrigen Schlacht erführe. 
Da begann der Knochenhauer also: 
Warnend hatten Graf Günther von Kevernberg und Graf Heinrich von 
Lüchow, wie wir vernahmen, ihre Stimme erhoben und den Fürsien ermahnt, 
daß er noch warten und erst Verstärkungen heranziehen möge. Doch Herr 
Waldemar entschied sich trotz der feindlichen Übermacht zum sofortigen Angriffe 
— und wir Krieger freuten uns dessen. Vorwärts! hatte der Markgraf gerüfen; 
vorwärts! tönte es in unserm Heere wieder. Bald waren wir mit den Feinden 
aneinandergeraten; Führer stritt gegen Führer, Mann gegen Mann. In die 
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