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5. Unter dem großen Waldemar

Full text: Berlin-Kölln / Richter, Julius Wilhelm Otto (Public Domain)

Unter dem großen Waldemar. 
Es waren schlimmere Geschehnisse, als ich mir dachte. 
Alle drängten auf nähere Mitteilungen. 
Nachdem der Markgräf — erzählte Thilo von Hameln — das feste Schloß 
Fürstenhagen über Woldeck erstürmt hatte) meinte er auch mit jener Stadt leicht 
sertig zu werden, zumal Bruder Gerardus?“) ihm gute Belagerungsmaschinen er— 
baut und einen unterirdischen Graben nach der Stadt zu getrieben hatte. Alles 
schien nach Wunsche zu gehen, doch die Woldecker hatten den Anschlag entdeckt 
und Gegenmaßregeln ergriffen. Als die Markgräflichen schon die Stunde be— 
rechneten, da sie in die Stadt würden emporbrechen können, ergossen sich plötzlich 
in ihren Stollen wildbrausende Wassermassen, füllten denselben mit Schlamm und 
Geröll und ertränkten die Arbeiter. Das kam von einem Gegenstollen, den die 
Woldecker gegraben und in den sie einen Bach geführt hatten. Acht Wochen hatte 
der Markgraf nutzlos verbracht und nun alles verloren. Grade damals hatte 
Johann von Werle, der sich auf des Markgrafen Seite geschlagen, einen Heer— 
jaufen seiner Feinde besiegt. Mit ihm vereinigt, versuchte Waldemar nun, den 
Herzog Heinrich den Löwen von Mecklenburg niederzuwerfen, welcher zwischen 
Alt-Strelitz und Fürstensee inmitten von Seeen üund Sümpfen Stellung genommen.9) 
Bei, seinem Anrücken findet er diesen wohl vorbereitet. Durch ihre feste Stellung 
begünstigt, gewinnen die mecklenburgischen Reiter gleich anfangs das Übergewicht 
über die brandenburgischen. Zurückgeworfen verwickeln letztere auch das Fußvolk 
des Markgrafen in die Verwirrung, während die Feinde, Reiter durch Fußvolk 
oerstärkt, wilden Mutes heranstürmen. Jetzt gerät das ganze Heer Waldemars in 
wilde Flucht; jeder sucht sich zu retten. Aber zur Rettung findet sich nur eine 
schmale Landstraße, welche zwischen zwei großen Seeen hindurchführt. In der 
heftigen Verfolgung werfen die siegreichen Mecklenburger ganze Scharen der 
Flüchtlinge von der Straße in die Seeen hinab, wo sie vergeblich mit den Fluten 
ringen und elend ertrinken. Auf der Straße selbst aber wird ein ebenso großer 
Teil des brandenburgischen ere⸗ niedergemacht oder gefangen. Der vordem 
siegreiche Fürst Johaun von Werle fällt in die Hand des Mecklenburger Löwen, 
und nur mit elenden Trümmern der Seinigen kann Waldemar selber entkommen ... 
Es war ein entsetzlich Unheil; — sprach Propst Eberhard ernst — zum 
Glück waren damals nur wenige unsrer Bürger im markgräflichen Heere, und 
grade diese kamen mit dem Leben davon! Aber rings im Lande hat's viel Weh— 
klagen gegeben! 
Seitdem hat der Markgraf sich mit allen Kräften gerüstet; — bemerkte der 
Priester Berthold — diesmal steht auch die Jugend der Spreestädte sehr zahlreich 
unter seinen Fahnen. 
Und Gelder hat er sich verschafft, wo er sie irgend auftreiben konnte! — 
lachte Hans von Stettin — Dem Magdeburger Erzstifte sind für schwere Summen 
Gebiete der Altmark überlassen worden ... 
Nicht zu vergessen die neue „Bede“, — seufzte Konrad von Köthen — die 
dem ganzen Lande trotz des vorjährigen Mißwachses aufgelegt worden ist, und 
an der wir selber schwer zu tragen haben! 
) Am 20. Dezember 1315. Diese Orte lagen im Lande Stargard Mecklenburg-Strelitz). 
2) Ein ehemaliger Mönch, später Geschützmeister des deutschen Ordens. 
3) Das Gefecht war Ende Februar 1316
	        
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