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3. Kölln-Berlin - deutsche Städte

Full text: Berlin-Kölln / Richter, Julius Wilhelm Otto (Public Domain)

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Kölln-Berlin — deutsche Städte. 
kleineren Gebäuden und war bemerkenswerter durch seine Länge als durch seine 
Höhe.“ 
bernf dem Hofe herrschte reges Leben. Bedienstete des Markgrafen eilten hin 
und her; Gruppen Bewaffneter ae neben ihren Rossen, der Aufträge gewärtig; 
indere Knechte hielten am Zügel die Pferde ihrer Gebieter, welche sich augen— 
scheinlich in das Herrenhaus begeben hatten. 
Wir finden vereits mehrere Edelleute anwesend, — erklärte Marsilius — 
welche der gnädige rr zu dem gleichen Geschäfte mit uns beschieden hat: Herrn 
Dielcich von Blumderg, Heinrich Trude und Heinrich von Werben, denn ihre 
Rosse stehen hier draußen! 
Sie traten in das Haus, begrüßten einige Hofbeamte, welche ihnen begegneten, 
und befanden sich bald darauf in eifrigem Gespräche mit den vorbenannten 
Rittern. Da eine Angelegenheit des Odergebietes in Betracht kam, so bestürmten 
die uͤbrigen Herren den Vogt von Lebus mit allerhand Fragen über die dortigen 
Zustande Plötzich wurden sie unterbrochen. Der Hofmeister erschien und beschied 
alle in das Gemach des Markgrafen Johann. Dieser ging ihnen einige Schritte 
entgegen und nahm dann vor ihnen in der Mitte des Gemaches Stellung. Er 
war din stattlicher Herr von etwa 45 Jahren mit vollem lockigen Haar, dessen 
arsprünglich blonde Farbe zu ergrauen begann; seine großen blauen Augen blickten 
leusselig doch in jenem straͤhlenden Glanze, welcher zugleich ein Zeichen von Klug⸗ 
heit und tapferem Mute ist. 
Unsern Gruß, liebe Getreuen! — sprach er — Wir haben euch vor uns be⸗ 
schieden, zugleich im Namen unsers abwesenden Bruders Otto, um euern Rat und 
zuere Hülfe zu erfordern, daß wir das neue Land an der Oder sichern und heben 
önnen. Selber haben wir gemeint, daß wohl nichts ersprießlicher sein möchte, 
als wenn wir an den Ufern des siattlichen Stromes eine feste Stadt gründeten, 
welche mit diesen Städten an der Spree und weiter nach Magdeburg zum Elb— 
—G—— aber 
ruch regen Verkehr zum baltischen Meere hin unterhalten könnte. Wir gedenken 
die neue Stadt bei Zliwitß an der „Franken Furt“ zu bauen, und damit sie wie 
n emporblühe, soll sie dieser unsrer guten Spreestadt bewährtes Recht 
empfangen ... 
Er schwieg einen Augenblick, dann forderte er den Vogt Boruto auf, über 
die Verhaͤltnisse des Landes Lebus zu berichten. Dieser schilderte den Aufschwung, 
welchen das Odergebiet zu nehmen beginne, und billigte ebenso die beabsichtigte 
Grundung der Siadt wie die für dieselbe gewählte rtlichkeit, auch versicherte er, 
daß er die neue Gemeinde, wiewohl sie nicht seiner Verwaltung unterstellt werden 
solle, in jeder Weise zu fördern gedenke. 
Nun legte der Schulze Marsilius auf den Wunsch des Fürsten einige 
Gesichtspunkte dar, welche sich bei der Leitung des Berliner Gemeinwesens be— 
sonders bewährt hatten. Er betonte die Notwendigkeit, daß trotz jaͤhrlichen 
Wechsels im Rate für eine Stätigkeit der Grundsätze gesorgt und, daher neben 
Jen neuberufenen Ratsherren die voriährigen als beratende Behörde noch ein 
). Dieser vom Ritter Rudolf von Stralow den Markgrafen verkaufte Hof lag auf 
der Stelle des jetzigen Grundstücks Klosterstraße 88. Das Gelände des Hofes war noch im 
Seichbilde Berlius, doch außerhalb der damaligen Stadtbefestigung, in der Nähe des Oderberger 
Thores.
	        
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