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11. Aus der Zeit der Duikows

Full text: Berlin-Kölln / Richter, Julius Wilhelm Otto (Public Domain)

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Aus der Zeit der Quitzows. 
raffen würden. Aber hinsichtlich der Berliner hatte er sich diesmal doch ver— 
rechnet. Schon in der Nähe des „Heiligen Sees“, in der heutigen „Jungfern— 
heide“, holten ihn die Spitzen des Buͤrgerheeres ein. 
Da bewährte der grimme Kriegsmann seine gewohnte Kaltblütigkeit. Wäh— 
rend die Berliner in blinder Wut auf ihn losbrachen, ordnete er schnell seine 
Rotten, bot den Feinden einen blutigen Empfang und brachte sie dann durch einen 
Hinterhalt so völlig in Verwirrung, daß viele wackere Männer getötet, auch viele 
herwundet und der größte Teil der übrigen gefangen genommen wurde. Wenige 
Flüchtlinge überbrachten die Hiobspost nach Berlin, das von Wehklagen widerhallte. 
Unter den Gefangenen, welche Ritter Dietrich nebst den geraubten Herden 
— entführte, befand sich auch der Ratsherr Nickel Wins. Höhnisch sprach 
er diesen an: 
Erinnere mich, Herr Niklas, nicht ungern, daß ihr mich, als ich nach Berlin 
kam, in euerm Hause freundlich bewirtet habt; ihr gebt mir Gelegenheit, es euch 
zu vergelten! 
Mich verlangt nach eurer Güte nicht; — gab Wins zurück — mögt ihr lieber 
zusehen, wie eines Ritters Ehre dabei bestehen kann, wenn ihr wie ein Strauch— 
zieb haändelt und die Bürger, die euch Treue und Glauben bewiesen, hinmordet. 
Der Quitzow zuckte die Achseln. 
Ihr seid nicht bei Laune, Herr Wins; das soll mich indes nicht hindern, 
zuer in alter Freundschaft zu gedenken! 
Er winkte seinem Rottenmeister Liebenow; der band dem gefangenen Rats— 
jerrn alsbald die Hände und legte ihm eiserne Fußschellen an. So ward der 
KHerliner Patrizier in Bötzow eingebracht und dort mit den anderen Gefangenen 
in düsterm Kerker verwahrt. 
Die Gewaltthat des früheren Verbündeten rief einen heißen Kampf, hervor, 
den die Berliner, von einzelnen Städten, besonders von Frankfurt, unterstützt, zur 
Befreiung ihrer Mitbürger führten. Man kann sich jedoch denken, daß sie dem 
aͤbermüchtigen Kriegsmanne in keiner Weise gewachsen waren und schwere Opfer 
ohne jeden Erfolg brachten. In ihrer Not suchten sie allenthalben Hülfe, selbst 
hei dein edlen Maͤrkgrafen Jodocus. Der nahm sich der traurigen Angelegenheit 
insoweit an, daß er den Bischof von Lebus und den Berliner Fope beauftragte, 
„mit Dietrich von Quitzow einmal ernstlich zu reden“, as dabei heraus— 
am, kann man sich freilich denken: Die Quitzows trieben ihr Unwesen noch ärger 
denn zuvor. Während sie die Gefangenen weiter mißhandelten, zogen sie jeden 
Berliner Kaufmann, dessen sie habhaft werden konnten, „nackt aus“, und der 
anzige Trost, welcher den Spreestädten blieb, bestand darin, daß es den Bürgern 
aller übrigen Gemeinden der Mark nicht besser erging. 
Einige Hoffnung mochten die Spreestädte schöpfen, als ihnen am 17. Januar 
411 von' dein Rate Frankfurts gemeldet wurde, daß es diesem und dem Propste 
Johannes von Waldow gelungen sei, in den Mauern der, Oderstadt eine gütliche 
VBerhandlung zwischen Dietrich von Quitzow und den Berliner Bürgermeistern zu 
deranlassen. Aber diese Hoffnung wurde nur zu bald zu Schanden. 
In den letzten Tagen des Januarmonats langte aus Frankfurt ein Bericht 
der drei Bürgermeister Hans Dannewitz und Thomas Heideke von Berlin und 
Jakobus Nabel von Köllu bei dem Rate der Spreestädte ein, welcher folgendes 
besagte: 
— selbst hätten die Entscheidung der in Frankfurt versammelten Herren und
	        
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