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ßerliner Illustrirte Zeitungq.
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Im Offiziers-Gefangenenlager bei Heidelberg: Französische und belgische Offiziere
Im Offiziers—
Befangenenlager
Von Albert K. Daw son aus Amerika
bei Heidelberg
V jenn man sich der Stadt Heidelberg im Zuge
W nähert und kurz vor der Stadt auf der Süd⸗
seite aus dem Fenster sieht, kann man ver—⸗
schiedene Gruppen junger Leute bemerken, die in weißen
Flanellanzügen Tennis auf den Plätzen vor einem
großen Gebäude spielen. Man
wird wahrscheinlich denken:
Was für ein hübsches, male—
isch gelegenes Hotel; denn
ringsherum sind Hügel und
berge und im Norden die
schöne Stadt Heidelberg mit
der berühmten Ruine. Aber
wenn man näher hinsieht,
vird man bemerken, daß
außer dem gewöhnlichen
Drahtnetz, das den Tennis—
platz umgibt, noch ein zweiter
gleich hoher Zaun da ist, der
im das ganze Gebäude läuft.
Dieser ist aus Stacheldraht
zemacht. Ferner wird man
ehen, daß das kleine Haus
n der Ecke, das wie ein
Härtnerhäuschen aussieht, in
Wirklichkeit einen Soldaten
nit einem Maschinengewehr
deherbergt. Das Gebäude ist
das Offiziersgefängnis in
deidelberg. Gegenwärtig ent⸗
zält das Offiziersgefangenen
ager über 100 Offiziere,
darunter Franzosen, Belgier,
Russen, Engländer und Ka—
nadier, vom Landheer, von
er Flotte und alle Grade vom Leutnant bis zum
heneral. Einige sind seit den ersten Kämpsen in
zelgien hier, und einige wurden erst wenige Tage
uvor bei der letzten sranzösischen Offensive gefangen.
Hiese Neuankömmlinge tragen noch den neuen Stahl—
jelm der Franzosen, der sich sehr bewährt haben soll.
Ich sah einen Offizier, dessen Helm zwei tiefe Scharten
»on Bombensplittern hatte, die sonst den Träger einer
gewöhnlichen Militärmütze sicher getölet hätten. Durch
die Freundlichkeit des kommandierenden Offiziers durte
ich durch die Gebäude und
Plätze gehen und mit den
verschiedenen Personen dieses
„Hotels“ sprechen. Die Offi—⸗
ziere leben zusammen in
Gruppen von zwei bis zehn,
je nach der Größe der Räume,
und zwar immer Angehörige
derelben Nation zusammen.
Sie sind aber leineswegs in
diese Zimmer wie in eine Zelle
gebannt, sondern lönnen durch
das Gebäude und das Lager
nach Belieben gehen. Die
Engländer empfingen mich mit
englischer Gastfreundschast,
die Franzosen mit französischer
Höflichkeit, die Russen, wie ich
leider sagen muß, mit Miß—
trauen. Sehr interessant war
die Ausschmückung der ein—
zelnen Zimmer. Die gewöhn⸗
liche Ausstattung besteht aus
rinem eisernen Bett, Stuhl,
Tisch und Kleiderriegel. Hier⸗
zu können sich die Offiziere
auf eigene Kosten anschaffen,
was sie wünschen. Viele haben
viegestühle, Vorhänge und
indere Sachen, die für sie in
Blick auf die malerisch gelegene Kaserne bei Heidelberg, in der die gefangenen Offiaiere untergebracht sind.
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