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Band Nr. 44, 31. Oktober 1915

Volltext: Berliner illustrierte Zeitung (Public Domain) Ausgabe 1915, XXIV. Jahrgang, Nr. 1-52 (Public Domain)

i. 
ßerliner Illustrirte Zeitungq. 
—VF 
Im Offiziers-Gefangenenlager bei Heidelberg: Französische und belgische Offiziere 
Im Offiziers— 
Befangenenlager 
Von Albert K. Daw son aus Amerika 
bei Heidelberg 
V jenn man sich der Stadt Heidelberg im Zuge 
W nähert und kurz vor der Stadt auf der Süd⸗ 
seite aus dem Fenster sieht, kann man ver—⸗ 
schiedene Gruppen junger Leute bemerken, die in weißen 
Flanellanzügen Tennis auf den Plätzen vor einem 
großen Gebäude spielen. Man 
wird wahrscheinlich denken: 
Was für ein hübsches, male— 
isch gelegenes Hotel; denn 
ringsherum sind Hügel und 
berge und im Norden die 
schöne Stadt Heidelberg mit 
der berühmten Ruine. Aber 
wenn man näher hinsieht, 
vird man bemerken, daß 
außer dem gewöhnlichen 
Drahtnetz, das den Tennis— 
platz umgibt, noch ein zweiter 
gleich hoher Zaun da ist, der 
im das ganze Gebäude läuft. 
Dieser ist aus Stacheldraht 
zemacht. Ferner wird man 
ehen, daß das kleine Haus 
n der Ecke, das wie ein 
Härtnerhäuschen aussieht, in 
Wirklichkeit einen Soldaten 
nit einem Maschinengewehr 
deherbergt. Das Gebäude ist 
das Offiziersgefängnis in 
deidelberg. Gegenwärtig ent⸗ 
zält das Offiziersgefangenen 
ager über 100 Offiziere, 
darunter Franzosen, Belgier, 
Russen, Engländer und Ka— 
nadier, vom Landheer, von 
er Flotte und alle Grade vom Leutnant bis zum 
heneral. Einige sind seit den ersten Kämpsen in 
zelgien hier, und einige wurden erst wenige Tage 
uvor bei der letzten sranzösischen Offensive gefangen. 
Hiese Neuankömmlinge tragen noch den neuen Stahl— 
jelm der Franzosen, der sich sehr bewährt haben soll. 
Ich sah einen Offizier, dessen Helm zwei tiefe Scharten 
»on Bombensplittern hatte, die sonst den Träger einer 
gewöhnlichen Militärmütze sicher getölet hätten. Durch 
die Freundlichkeit des kommandierenden Offiziers durte 
ich durch die Gebäude und 
Plätze gehen und mit den 
verschiedenen Personen dieses 
„Hotels“ sprechen. Die Offi—⸗ 
ziere leben zusammen in 
Gruppen von zwei bis zehn, 
je nach der Größe der Räume, 
und zwar immer Angehörige 
derelben Nation zusammen. 
Sie sind aber leineswegs in 
diese Zimmer wie in eine Zelle 
gebannt, sondern lönnen durch 
das Gebäude und das Lager 
nach Belieben gehen. Die 
Engländer empfingen mich mit 
englischer Gastfreundschast, 
die Franzosen mit französischer 
Höflichkeit, die Russen, wie ich 
leider sagen muß, mit Miß— 
trauen. Sehr interessant war 
die Ausschmückung der ein— 
zelnen Zimmer. Die gewöhn⸗ 
liche Ausstattung besteht aus 
rinem eisernen Bett, Stuhl, 
Tisch und Kleiderriegel. Hier⸗ 
zu können sich die Offiziere 
auf eigene Kosten anschaffen, 
was sie wünschen. Viele haben 
viegestühle, Vorhänge und 
indere Sachen, die für sie in 
Blick auf die malerisch gelegene Kaserne bei Heidelberg, in der die gefangenen Offiaiere untergebracht sind. 
Im Sinterarund die Vorberge des Odenwaldes
	        
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