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Vierter Abschnitt. Der Feldzug gegen Österreich 1866

Full text: Geschichte des Königlich Preussischen Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2 / Puttkamer, Erich von (Public Domain)

Der Feldzug gegen Österreich 1866. 
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Lieutenant von Sell sammelte die Reste des Halbbataillons; eine 
schwierige Arbeit, da die Kompagnien ihrer Führer beraubt, im dichten 
Walde sich in kleine Trupps auflösten und einzelnen Unteroffizieren folgten, 
die, ohne einheitlichen Willen, nach den verschiedensten Richtungen aus— 
einandergingen. 
Ungefähr 150 Grenadiere sammelten sich um den Führer und er— 
widerten von dem Waldrande aus das Feuer, welches vier österreichische 
Bataillone aus den Häusern (bei 5) und dem Wäldchen (bei w) unter⸗ 
hielten. Die österreichischen Jäger brachten ihre wohlgezielten Schüsse an 
den Mann; als sie später größtenteils gefangen wurden, war ihre Munition 
verschossen. 
Wir haben hier einige Züge ganz besonderer Hingebung mitzuteilen. 
Der Portepee-Fähnrich Graf Reina gab durch sein ruhiges und ent— 
schlossenes Benehmen seinen Untergebenen das beste Beispiel. Lieutenant 
von Sell benutzte ihn wiederholt zu Patrouillengängen, welche er ebenso 
umsichtig wie brav ausführte. 
Der Gefreite Bonk, 6. Kompagnie, war immer einer der Vordersten 
und wurde von seinen eigenen Kameraden in ehrenvollster Weise hervor⸗ 
gehoben; ebenso die Unteroffiziere Schindel meißer und Schmidt und 
Grenadier Pohl der 7. Kompagnie. Auch Unteroffizier Kuhnt 6. Kom— 
pagnie benahm sich in jeder Hinsicht musterhaft und leistete als Patrouillen— 
führer ausgezeichnete Dienste. 
Die Lage des 2. Bataillons war eine schwierige. Die 6. und 
7. Kompagnie, nach der Attaque auseinander gekommen, waren einem 
kräftigen Vorgehen der Osterreicher nicht mehr gewachsen, zumal auch bald 
von rückwärts, aus den Gehöften c und g, die feindlichen Schüsse sich 
kreuzten. Nur dem mutvollen Beispiel der Offiziere gelang es, in die 
Verteidigung Ordnung zu bringen. 
Hauptmann von der Goltz hielt mit größter Mühe den Steinbruch. 
Lieutenant von Bärenfels mußte nach tapferster Gegenwehr aus den 
Gehöften (e und 8) am linken Flügel weichen. Nach Einnahme derselben 
durch den Feind wurde die Lage der 8. Kompagnie eine peinliche. Durch 
Schnellfeuer hatte sie die fortgesetzten Angriffe der Osterreicher auf die 
von Lieutenant von Bärenfels verteidigten Gebäude wesentlich mit 
abgewiesen und den Ausgang von Rudersdorf unter Feuer gehalten. 
Die Verluste wurden jedoch immer empfindlicher, denn der Stein— 
bruch war ein Kugelfang für alle Geschosse, die auf die 5. Kompagnie 
gerichtet waren und zu hoch gingen. 
Feldwebel Baumann gab während dieser schwierigen Situation 
durch sein Verhalten das beste Beispiel. Als der Grenadier Dorgo w am 
Kopfe verwundet wurde, trug ihn der Feldwebel Baumann nach einem
	        
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