Path:
Sechster Abschnitt. Der Feldzug gegen Frankreich 1870/71. Die Mobilmachung und der Eisenbahn-Transport

Full text: Geschichte des Königlich Preussischen Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2 / Puttkamer, Erich von (Public Domain)

Der Feldzug gegen Frankreich 1870/71. 
178 
Infanterie, unter Leitung und Hülfe der 2. Garde-Pionier-Kompagnie, 
unausgesetzt gearbeitet worden. 
Es waren jetzt drei vollständige Verteidigungs-Abschnitte, sowie hin— 
reichend gedeckte Räume angelegt, um nicht nur die Replis, sondern auch 
die Feldwachen gegen das fast ununterbrochene Granatfeuer zu sichern. 
Zu beiden Seiten des Dorfes waren Batterien gebaut und Infanterie— 
Emplacements aufgeworfen. 
Zur einheitlichen Leitung des Befehls über die Besatzung des Dorfes 
und der Trancheen wurde vom 23. ab von Seiten der Division mit täg— 
lichem Wechsel, ein Regiments-Kommandeur kommandiert, und übernahm 
das Kommando an diesem Tage der Oberst-Lieutenant von Wangenheim. 
Die Batterien seitwärts le Bourget, welche in der Nacht vorher 
armiert waren, eröffneten am 24. Januar morgens ihr Feuer auf Drancy, 
Aubervillers und die Vorstadt la Vilette. 
Das Feuer wurde während der nächsten Tage lebhaft unterhalten. 
Die Forts von Aubervillers und de l'Est erwiderten dasselbe. 
In der Nacht vom 26. zum 27. Januar wurde auf Allerhöchsten 
Befehl das Feuer der Belagerungs-Artillerie eingestellt und auch das Feuer 
des Feindes schwieg. 
Die gesamte politische und militärische Lage Frankreichs und die 
Zustände in Paris, wo man neben völliger Zügellosigkeit einer wirklichen 
Hungersnot von mehr als 2 Millionen Menschen entgegensehen mußte, 
waren geeignet, die ernste Sorge der französischen Regierung hervorzurufen. 
Deshalb unterhandelte das französische Gouvernement seit mehreren Tagen 
wegen eines Waffenstillstandes, und die Verhandlungen waren jetzt dem 
Abschluß nahe. Die nächsten Tage verliefen ruhig und der Vorpostendienst 
konnte eingeschränkt werden. 
Der Waffenslillstand. 
Am 28. früh Morgens näherten sich große Scharen französischer 
Soldaten ohne Waffen unseren Stellungen, um die Früchte des Feldes, 
welche den Winter überdauert hatten und sich selbstverständlich in keinem 
einladenden Zustande befanden, einzusammeln. 
Der Hunger mußte bereits sehr fühlbar sein, denn sie stürzten sich 
mit großer Gier auf diese schlechten Nahrungsmittel und waren nur mit 
Mühe von unseren Stellungen zurückzuweisen. 
An diesem Tage wurde der Waffenstillstand auf 21 Tage in Ver— 
sailles abgeschlossen, und am 29. Januar erhielten wir die frohe, lang— 
ersehnte Nachricht davon. 
Die Hauptbedingungen desselben waren die Übergabe sämtlicher Forts 
don Paris, einschließlich des Mont Valérien und der Stadt St. Denis,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.