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Sechster Abschnitt. Der Feldzug gegen Frankreich 1870/71. Die Mobilmachung und der Eisenbahn-Transport

Full text: Geschichte des Königlich Preussischen Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2 / Puttkamer, Erich von (Public Domain)

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Sechster Abschnitt. 
wer beim Marsch über das Schlachtfeld einen Zwieback im Tornister des 
gefallenen Franzosen gefunden hatte. 
Von Vaux ging es nach Failly und bei Carignan über den Chiers. 
Hier waren in französischen Eisenbahn-Wagen, welche unsere Truppen an 
der Abfahrt verhindert hatten, Lebensmittel, besonders Brot, gefunden 
worden. Dieses wurde beim Durchmarsch an die Truppen der Division 
ausgeteilt. Da es aber schon dunkel war und bei der Ausgabe des 
Brotes nicht gehalten werden durfte, so konnte nur ein Teil der Mann— 
schaften befriedigt werden. 
Mit welchem Heißhunger wurde das Stückchen Brot von denen ver—⸗ 
zehrt, welche so glücklich gewesen waren, etwas zu erhalten! Bei völliger 
Dunkelheit langte die Brigade abends 10 Uhr in Messincourt, nahe der 
belgischen Grenze an, überaus erschöpft durch den anstrengenden Marsch 
und durch den immer fühlbarer werdenden Hunger. Es wurden Alarm— 
Quartiere bezogen und uns für den folgenden Tag zur dringend not— 
wendigen Erholung Ruhe verheißen. Die Vorposten waren von der 
I. Garde-Division ausgestellt. 
Die Schlacht bei Sedan am 1. BSeptember. 
Aber die Ereignisse duldeten die von dem Kronprinzen von 
Sachsen für die Maas-Armee beanspruchte Ruhe nicht. Die Franzosen 
waren zwischen der Maas und der belgischen Grenze zum Stehen gebracht, 
und der Weg nach Metz war ihnen verlegt. Die Maas-Armee war im 
Osten, die III. Armee im Süden unmittelbar an die Heeresversammlung 
der Franzosen bei Sedan herangekommen. Noch konnten sie sich durch 
einen Abmarsch nach Mezisres aus der üblen Lage befreien, welche die 
deutsche Heeresleitung ihnen bereitet hatte. Auch dieser letzte Ausweg 
mußte ihnen abgeschnitten werden, und deshalb mußte der Angriff, für 
welchen fast die gesamten Armeen der beiden Kronprinzen disponibel 
waren, unverzüglich unternommen werden. Wenn die französische Armee 
das Wagnis des unverzüglichen Rückzuges nicht dennoch versuchte, so er⸗ 
klärt sich dies aus dem innern Zustande der abgehetzten Truppen. Die 
französische Armee war nicht mehr fähig, einen geordneten Kriegsmarsch 
auszufuhren. Sie konnte sich nur schlagen, wo sie eben stand. 
Um 42*/2 Uhr wurden wir am 1. September alarmiert. Trotz der 
großen Erschöpfung war die Brigade in kürzester Frist formiert. Kanonen⸗ 
donner von Westen her verkündete uns den Beginn der Schlacht, als sich 
die Division bei Sachy sammelte und von dort über Pouru St. Remy 
und Francheval auf Villers-Cernay in Marsch setzte. Vor Villers-Cernay 
wurde links abgebogen. Um 9 Uhr formierte sich die Division hinter 
den Höhen südwestlich Villers-Cernay in der Rendezvous-Stellung mit der
	        
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