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Full text: Das Tierleben im deutschen Walde nach Beobachtungen im Grunewald / Dahl, Friedrich (Public Domain)

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folgen und nur einer Spinne von geringer Größe bieten jene kleinen Tierchen 
eine hinreichende Nahrung. Die geringe Größe ist für sie also gerade ein 
hoher Grad von Vollkommenheit. — Die Winterspinne macht kein Fang— 
gewebe, wie man es von vielen Spinnenarten kennt. Zum Ausspannen eines 
Fangnetzes ist zwischen den kleinen Moospflänzchen kein Raum. Immerhin 
vermag sie Fäden zu ziehen und diese mögen ihr in ihrem Jagdgebiete als 
Brücken, vielleicht auch als Schlingen dienen. 
Steigen wir aus der Moos- und Nadelschicht des Waldbodens eine 
Stufe tiefer hinab, so sehen wir, wie die vermodernden Pflanzenteile zu Erde 
werden. Wir befinden uns in dem Gebiete des Waldregenwurms (Moloarilus 
rubidas). Die Umwandlung ist zum Teil gerade seine Arbeit. — Hier in 
tiefster Verborgenheit kann der tierische Körper sehr einfache Formen besitzen. 
Beine sind in der festen Erdmasse mehr hinderlich als nützlich. Sie können 
völlig fehlen, sobald eine andere Einrichtung zur Fortbewegung an ihre 
Stelle tritt. Sehen wir also nach, wie der Regenwurm sich ohne Beine 
vorwärts bewegt: Der Vorderteil des Körpers — oder auch der Hinterteil, 
ob vorwärts oder rückwärts, ist ihm fast gleich — streckt sich zunächst lang 
und dünn aus. Zugleich schwillt der dahinter liegende Teil an. Betastet 
man mit dem Finger den ausgestreckten und den angeschwollenen Teil des 
Körpers, so wird man bemerken, daß der erstere glatt und schlüpfrig, der 
letztere rauh ist. Die Ursache dieser Verschiedenheit liegt in dem Bau der 
Haut. Dieselbe enthält nämlich Reihen fester, kurzer Dörnchen, die beim 
Strecken des Körpers sich zurückziehen, beim Anschwellen dagegen ein wenig 
über die Oberfläche vortreten. Die Dörnchen bewirken, daß beim Vorschieben 
des verdünnten Körperendes der verdickte Teil nicht zurückgleitet. Die Ver— 
dünnung und die dahinter liegende Anschwellung pflanzen sich wellenartig 
bis zum anderen Körperende fort und schieben damit den ganzen Körper ein 
wenig vor. Bevor die Welle das andere Körperende erreicht hat, folgt eine 
zweite Welle, und so fort. Die Bewegung ist nicht eben langsam zu nennen, 
wenn der Wurm sich in seiner Röhre befindet, geradezu schnell. 
Die Röhre bietet nämlich dem angeschwollenen Körperteil allseitigen 
festen Halt. Verläßt der Wurm zur Paarung die in der engen Röhre nicht 
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feuchten Nächten den Boden, so bleibt, wo möglich, ein Ende des Körpers 
in der Röhre stecken. damit ein schleuniger Rückzug angetreten werden kann,
	        
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