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Full text: Das Tierleben im deutschen Walde nach Beobachtungen im Grunewald / Dahl, Friedrich (Public Domain)

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Während beim Buchfink nur das Männchen bunt ist, sind hier beide Ge— 
schlechter in der Farbe kaum zu unterscheiden. — Bedarf denn hier das Weib— 
chen beim Brüten nicht der grauen Schutzfarbe, die wir beim Buchfinkweib— 
chen kennen lernten? Unser Beispiel mag uns lehren, wie es in der Natur 
verschiedene Wege zur Erreichung desselben Zieles geben kann. Der Specht 
besitzt einen sehr kräftigen, festen, scharf und meißelförmig endenden Schnabel. 
Es ist dieser Schnabel sein wichtigstes Handwerkszeug, dessen er nicht nur 
zur Erlangung seiner Nahrung, sondern auch zur Herstellung seiner Be— 
hausung bedarf. Durch ein tatsächliches Ausmeißeln wird in einem ge— 
eigneten Baumstamme eine tiefe Nisthöhle hergestellt. Der brütende Vogel 
ist also vor seinen Feinden trotz seiner lebhaften Farben völlig gedeckt. Die 
Meißeltätigkeit ist für den Specht so wichtig, daß sie seinen ganzen Körper— 
bau beherrscht. Der Kopf. der kurze Hals nund die kurzen Beine sind sehr 
kräftig gebaut und die entsprechende Muskulatur ist äußerst gut entwickelt. 
An den Füßen ist außer der kleinen Zehe, die bei fast allen Vögeln den 
anderen gegenübersteht, noch eine zweite, lange Zehe nach hinten gerichtet. 
Dadurch rücken die stützenden Punkte weiter auseinander und geben dem 
Körper mittels der spitzen und kräftigen Krallen einen noch festeren Halt. 
Auf eine sichere Stütze des Körpers beim Meißeln kommt sehr viel an, des— 
halb beteiligen sich daran auch noch die Schwanzfedern. Dieselben besitzen 
hier nicht eine breite, weiche Fahne, wie wir es bei andern Vögeln kennen, 
sondern laufen in eine schmale, steife Spitze aus. 
Vom Herbste bis zum Frühling teilt der Specht die Nahrung mit dem 
Eichhörnchen. Während dieser Zeit sind reife Kiefernsamen in so großen 
Mengen vorhanden, daß beide keine Not leiden. Der Specht holt sich die 
Zäpfchen zu einem Baumspalte, steckt sie hinein und meißelt dann die Samen 
heraus. Werden im Frühlinge Kiefernsamen spärlicher, so wendet der Specht 
sich mehr der Verfolgung der Holz-, Rinden- und Borkenkäfer zu. Vom 
Fuße bis zur Krone untersucht er einen Stamm nach dem anderen und weiß 
seine Beute mit großer Sicherheit zu entdecken. Man braucht nicht lange 
zu suchen, um einen Stamm zu finden, in den der Specht Löcher geschlagen 
hat. Bei der Nahrungssuche geht er folgendermaßen zu Werke. Zunächst 
sucht er, leicht mit dem Schnabel auf die Borke schlagend, den Stamm ab. 
Mittels seines feinen Gehörs erkennt er sofort den veränderten Klopflaut, 
wenn er auf eine von Käferlarven unterminierte Stelle stößt. Noch ein paar
	        
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