Breslau, den 25. Juni 1922.
Güntherstraße 1.
Verehrteste gnädige Frau!
Erschüttert von dem sinnlosen Verbrechen, das durch die Ermordung Ihres
Sohnes am ganzen deutschen Vaterlande begangen ist, ist es mir ein Bedürfnis,
hnen, hochverehrte- gnädige Frau, meine tiefste Anteilnahme auszusprechen. -
_ Walther Rathenau war mir und meiner Frau in nahezu 15 » ein stets
treuer und lieber Freund gewesen und von ganzem Herzen ha} * über
‚einen zunehmenden Einfluß an der deutschen Politik gefreut,
wie es mir beschieden war, persönlich näher kannte, erscheint
von einer nicht mehr zu überbietenden Sinnlosigkeit und
Aber das, was er geleistet, läßt sich nicht morden,
Jas Andenken an ihn als einen der klarsten und edelste“
Gedächtnis seiner Freunde und ungezählten Anhänger.
Mit. dem Ausdruck tiefster Verehrung und Trax
Kor
. °F. Baltrusch, Berl:
Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Kaiserhristlichen
Gewerkschaften Deutschlands,
stellvertr. Vors, des Reichwirtschaftsrates.
Frau Wwe. E, Rathenau, Hochwohlgeboren
Berlin-Grune»:.
Hochverehrte Frau! ;
Gott der Herr möge Sie und Ihre Familie in dem großen Ihnen vc
Mordbuben zugefügten Schmerz trösten. Menschenworte vermögen ange
dieser Katastrophe nichts auszurichten.
Hoffentlich gelingt es, die Mörder und Ihre Anstifter der irdischen Gerechtigkeit
zu überliefern. Der rächenden Hand unseres Gottes werden sie sicher
aicht entgehen.
Mich aber drängt es sehr, verehrte Frau, Ihnen und Ihrer geschätzten Familie
lie aufrichtigste Teilnahme an dem furchtbaren Verluste, der Sie und unser deutsches
Volk betroffen hat, zu versichern,
Ich hatte seit Jahren Gelegenheit, mit dem so plötzlich Dahingerafften sowohl
im Reichsministerium für Wiederaufbau, wie im Reichswirtschaftsrat, in der
Sozialisierungs-Kommission und bei zahlreichen anderen Gelegenheiten zusammenzuwirken
und habe in dem Verblichenen allezeit einen religiös tieffundierten,
on größter Vaterlandsliebe durchdrungenen, unter allen Umständen lautern Menschen
zennen gelernt. Er diente dem Gedanken der Volksgemeinschaft so treu und
eidenschaftlich, wie meine gewerkschaftlichen Freunde und ich. Weiß Gott, die
Lücke, die hirnverbrannte und vertierte Mordbuben gerissen haben, wird sich wahrlich
so leicht nicht wieder schließen lassen.
Dr. Walther Rathenau’s Andenken wird auch in der christlichen Arbeiterschaft
fortleben.
In Trauer und Ergriffenheit
Ihr ergebener gez. F. Baltrusch.,