Path:
Volume Die Hermen des Viktoriapark

Full text: Die Denkmäler Berlins und der Volkswitz / Laverrenz, Victor (Public Domain) Ausgabe [2].NF (Public Domain)

79 — 
welche doch sämtlich Dichter der Freiheitskriege waren, 
ohne Beine dargestellt worden sind; ihnen sind eben 
vermutlich die Beine im Kriege abgeschossen worden 
und die Bildhauer haben in diskreter Weise die mensch— 
lichen Füße durch Denkmalsfüße ersetzt. Wie würde 
es z. B. aussehen, wenn man die fröhlichen Sänger 
so manches Kampfliedes darstellen würde mit hölzernen 
Stelzfüßen oder mit Bandagen? Künstlerisch unschön 
im höchsten Grade! 
Da sieht es so, wie es geschehen ist, immer noch 
besser aus. Wie fein, wie künstlerisch wahr und poetisch 
echt ist der Gedanke, die abgeschossenen Glieder in einen 
Sarg zu thun und diesen gleich unterhalb der Ober— 
körper aufzustellen; denn zweifellos sind es städtische 
Särge, welche unter den Paletots hervorsehen, sogenannte 
„Armensärge“. 
Auch die großen, weiten Mäntel, mit denen sämt— 
liche sechs Herren angethan sind, haben ihre höchst tief— 
sinnige Bedeutung. Die Bildhauer wollten eben damit 
ausdrücken, daß es den Dichtern bei ihren Lebzeiten 
nicht an „Stoff“ gemangelt habe, und der ist für einen 
Dichter doch eine große Hauptsache. 
Daß man die Schriftsteller im gemeinen Jargon 
zum Federvieh rechnet, ist bekannt. Darum haben die— 
selben hier auch als Zeichen ihrer Würde eine große 
Feder in die Hand gedrückt bekommen, und da sie da— 
bei eine Pose einnehmen, spricht man mit Recht von 
den „Federposen“ der Hermen des Viktoriaparks.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.