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Volume Die Museumsinsel

Full text: Die Denkmäler Berlins und der Volkswitz / Laverrenz, Victor (Public Domain) Ausgabe [2].NF (Public Domain)

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worden sei. So stützt sie sich denn auf den Beckenrand 
und sagt: „Wenn er nu aber nich bald kommt, denn 
warte ick noch'n bisken.“ 
Ihr gegenüber hält drohend die Amazone. Haß— 
erfüllt schweifen die Augen des häßlichen, schwarzen 
Weibes hinüber nach dem lieblichen Körper der jugend— 
frischen Nymphe und den Tomahamk, den sie in der 
Rechten hält, fester umklammernd, zischt sie eifersüchtig 
zwischen den Zähnen hervor: „Ick muß hier warten, 
bis ick schwarz werde, und die weiße Hexe will ihn 
mir abspenstig machen? Na warte!“ 
Hinter der Brunnennymphe unter den Kolonnaden, 
welche die Museumsinsel nach der Spree zu abschließen, 
befindet sich eine reizende Gruppe „Mutterglück“. Die— 
selbe stellt eine junge Mutter in antiker Gewandung 
dar, die sich an dem frohen Treiben ihrer Kinder er— 
freut. Selbstverständlich hat der Künstler ein schönes, 
junges Weib geschaffen, um das Mutterglück in idealster 
Weise zu verkörpern. Hiermit hat er jedoch nicht den 
Empfindungen des alten Berliners entsprochen, denn 
dieser erinnert sich bei dem Titel Mutterglück an eine 
alte, dicke Obstfrau, welche früher im Lustgarten gesessen, 
Äpfel und Birnen feil gehalten hat und unter dem 
Namen Mutter „Glück“ bekannt war. Natürlich ist der 
Unterschied zwischen der dicken Hökerin und der 
marmornen Idealgestalt ein ganz bedeutender, und der 
Berliner findet daher seine „olle Bekanntschaft absolut 
nich ähnlich.“ Kein Wunder also, wenn er nicht viel
	        
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