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ger wurde die Sache verhängnisvoll, indem man ihn als den
falschen Hauptmann in Belgien festnahm, aber bald wieder
freilassen mußte.
Zehn Tage dauerte die immer wachsende Spannung,
bis es endlich gelang, Voigts habhaft zu werden, und bis sich
die Spannung in eine gewisse Enttäuschung, verwandelte, da
man in der Oeffentlichkeit doch nicht an einen rückfälligen
Zuchthäusler, sondern an eine ganz andere Persönlichkeit
gedacht hatte.
Wenden wir uns jetzt wieder Voigt zu und betrachten
wir sein Verhalten nach der Tat. Natürlich war auch dieses
genau vorausberechnet. Voigt fuhr mit dem Gelde in der
Tasche im Eisenbahnzug von Cöpenick bis Kietz-Rummels⸗—
burg. Um nicht allzusehr aufzufallen, knüpfte er die Feldbinde
ab. In Kietz-Rummelsburg schlug er einen Haken,
um seine Verfolger zu täuschen. Er ging zu Fuß nach dem
Bahnhof Warschauer Straße und benützte von hier aus die
Hochbahn. In den nächsten Stunden konnte er sich immer—
hin sicher fühlen. Er fuhr bis zur Möckernstraße; der starke
Verkehr am Hochbahnhof Hallesches Tor schien ihm wohl zu
gefährlich.
Während der Fahrt mit der Hochbahn hatte Voigt, wie
er später erzählte, eine interessante Begegnung. Ein wirklicher
Hauptmann in Uniform betrat den Wagen und setzte
sich ihm gegenüber. Diesem aktiven Hauptmann fiel wohl
die Figur Voigts auf, und er machte halblaut die Bemerkung
für sich: „Komischer Kerl!“ Er tat aber dabei so, als ob er
einen gerade den Wagen verlassenden Zßivilisten meinte.
Voigt ließ sich indes auch durch diese Bemerkung nicht ver—
blüffen, sondern antwortete sehr präzis und im schönsten
Offizierstone: „Jawohl, Herr Kamerad!“
Das alte Wort, daß Schuster immer schlechte Stiefel
haben, eine Redensart, die auch sprichwörtlich verwendet
wird, bewährte sich auch bei dem falschen Hauptmann. Er
trug Schuhe, die ihm zu eng waren und ihn so drückten, daß
seine Füße etwas anschwollen. In der Nähe des Hochbahn⸗
hofs Möckernstraße befindet sich in, der Möckernstraße ein
Schuhwarenladen. Hier ging der, falsche Hauptmann hin⸗
ein und kaufte ein Paar Schuhe mit Gummizügen. Er ließ
die alten Schuhe zurück und sagte, er sei der Hauptmann
von Malzahn; sein Bursche werde die Schuhe abholen.
Voigt wollte hier mit einem Fünfzigmarkschein bezahlen,
den er bald los werden mußte, da dieser Schein ein verräte
risches Kennzeichen trug; er war nämlich durch Zufall fast
ganz durchgerissen. Der Schuhmacher aber, der Voigt die
Schuhe verkaufte, war nicht imstande, den Schein zu wech⸗
seln, und Voigt bezahlte deshalb mit kleinem Gelde.
Von der Möckernstraße begab sich Voigt nach einem Gar—