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6. Predigt, gehalten beim 75jährigen Jubiläum des Waisenhauses "Luisens Andenken" am 12. Februar 1907 in Gegenwart ihrer königlichen Hoheiten des Prinzen und der Frau Prinzessin Eitel Friedrich von Preußen

Full text: Erinnerungsblätter und -bilder aus dem Leben der Luisengemeinde in Charlottenburg / Riemann, Otto (Public Domain)

goldenem Becher genießen“ und „ohne Sorgen in Gottes Armen 
einschlafen“ und „fröhlich wieder aufwachen, wenn Seine Sonne 
sie leise ruft“. Dann bewahren wir ihnen den unschuldigen Sinn, 
der, wo er einmal verloren schien, sich immer wieder durchsetzt und 
ihnen bei irgendwelchen Verfehlungen keine Ruhe läßt, bis der 
Vater uud die Mutter des Hauses wieder zufrieden sind und wieder 
freundlich blicken. Dann lernen wir auch das Strafen in der rechten 
Weise und mit Maßen und nehmen auch dabei jedes einzelne Kind, 
wie es genommen werden muß, das eine strenger und das andere 
milder, alle aber mit der Liebe, welche die Rute, falls sie einmal 
gebraucht werden muß, — und sie soll nur in Ausnahmefällen 
einmal gebraucht werden! — nur vom Herzen aus regiert werden 
läßt. Dann ärgern wir sie nicht und geben ihnen keinen Anstoß 
durch unsere eigenen Versehen und Versäumnisse, für die sie so 
offene Augen haben, sondern sind allezeit bereit, auch Opfer für 
sie zu bringen, auch große Opfer. Dann suchen wir auch nicht bloß 
unsere Kurzweil an ihnen zu haben oder unseren Vorteil und 
paradieren auch nicht mit dem schönen und begabten Kinde, während 
wir das schwache und häßliche in den Hintergrund stellen. Summa 
Summarum: Dann lernen wir die feine christliche Erzieherweise, 
die Der in uns wirkt, dessen Geist in uns wohnt, weil wir Ihn selber 
aufgenommen haben mit unseren Kindern. 
Geliebte Hous⸗ und Festgemeinde, was könnten wir unserem 
lieben „Luisens Andenken“ wohl Besseres wünschen, und was 
könnten wir von unserem himmlischen Vater und Seiner Erzieher— 
hülfe wohl Besseres erwarten, als die Verwirklichung aller der 
Erziehungsideale, die in dem Heilandsworte liegen: „Wer ein 
solches Kind aufnimmt in Meinem Namen,. der nimmt Mich auf, 
und wer Mich aufnimmt, der nimmt nicht Mich auf, sondern Den, 
der Mich gesandt hat!““ So lege Er Selber auch in den kommenden 
Tagen immer wieder wie in den vergangenen etwas von der Ver—⸗ 
wirklichung dieser Ideale in unser Waisenhaus hinein! Wir bitten 
Ihn darum in Jesu Namen und sind der Erhörung unserer Bitte 
gewiß. Amen. 
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