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3. Rede, gehalten bei der Grundsteinlegung zur Epiphanienkirche in Charlottenburg am 21. September 1904

Full text: Erinnerungsblätter und -bilder aus dem Leben der Luisengemeinde in Charlottenburg / Riemann, Otto (Public Domain)

testen, die je und je von solchen Sorgen erfüllt werden, weil sie 
nicht weniges wahrnehmen, was sie in unserer evangelischen Kirche 
besser haben möchten, und weil sie allerlei Gefahren sehen, von 
denen dieselbe bedroht wird. Aber so wenig der Pessimismus mit 
seiner Schwarzseherei je etwas Gutes zu wirken vermochte oder 
eine göttliche Verheißung erhielt, so wenig ist er hier gerade am 
Platze. 
Meine lieben evangelischen Glaubensgenossen, mag sie immer 
auch ihre Mängel haben, die Kirche des Evangeliums, sie reift doch 
der Vollendung entgegen! Mögen sie sich immer auch türmen, die 
dunkelen Wolken am Himmel der evangelischen Christenheit und der 
Christenheit überhaupt, sie sind nur dazu da, sich im luftreinigenden 
Wetter zu entladen oder im befruchtenden Regen! Mögen sie sich 
immer auch erheben, die Stürme und die wilden Wogen, die das 
Schiff der Kirche Jesu Christi in die Höhe treiben und in die Tiefe, 
Er hat Seine Hand am Steuer, die das Schiff ganz sicher führt auch 
im Wetter und Sturm, auch an Klippen und Sandbänken vorbei, 
auch durch Nebel und Finsternis hindurch! Unser Steuermann 
schläft nicht, und er ist auch nicht alt geworden oder schwach. Mit 
anderen Worten, die Zeit der Unruhe und der Unbilden und der 
Gefahren und der Gärungen in der Kirche sind unter dem Heils- 
walten unseres Herrn immer zu Segenszeiten für die Christenheit 
geworden. Und auch allerlei Mißachtung, die sie erfahren, hat ihr 
nie geschadet. Das war in der Regel wie einmal einer gesagt hat, 
nur das kalte Wasser, das ihr ins Gesicht gesprengt wurde, damit 
sie zur Besinnung käme, wenn sie sich in einer Ohnmacht der Gleich— 
gültigkeit oder des Taumels befand. „Darum seid getrost, alles 
Volk im Lande, spricht der Herr.“ 
Und dieser Sein freundlicher Zuspruch soll nun, — Er gebe es 
selbst! — auch in dem Gotteshause, dessen Grundstein wir heute 
hier legen, immer wieder erquickungsreich laut werden für viele, 
viele Tausende! Aber an denselben schließe sich dann immer auch 
kraftvoll⸗energisch die Mahnung: „Arbeitet!“ 
Liebe Festgemeinde, nicht wahr, das muß uns der Neid lassen, 
und das müssen auch die Gegner zugeben, daß jetzt wirklich in der 
evangelischen Christenheit gearbeitet wird. Auch die Kirchenbauten 
des letzten Jahrzehnts in Groß-Berlin beweisen das, und was in 
ihnen und was von diesen Gemeindezentren aus geschieht, beweist 
es auch. Aber freilich, es stehen auch noch viele unserer christlichen 
Zeitgenossen müßig am Markte, die nichts tun, und von denen das 
Urteil jenes griechischen Geschichtsschreibers gilt, der von seinen 
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