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Band 8 Ein Presse-Skandal

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 8 Band 8 (Public Domain)

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rolle zu übernehmen. Gleichzeitig habe er ihm gesagt, daß 
es ihm am liebsten wäre, wenn er die Erbansprüche seiner 
Frau, die sich auf einige 100000 Mark beliefen, in Bausch 
und Bogen verkaufen könnte. Er habe später Lodomez einen 
Revers unterschrieben, wonach er diesem 50000 Mark zahlen 
sollte, wenn er selbst in der Streitsache etwas ohne Lodomez 
unternehmen würde. Später habe Lodomez 5% von der 
zur Auszahlung kommenden Erbschaft als Provision bean- 
sprucht. Einen Auftrag, mit den Schriftsachen an die Öffent- 
lichkeit zu treten, habe er Lodomez nicht erteilt, 
Kommerzienrat Hübener: Lodomez habe sich ihm mit 
der Offerte genähert, Herrn Otten die Erbschaftsansprüche 
abzukaufen. Er habe diese Offerte nicht abgelehnt, später 
aber die Verhandlungen abgebrochen, da Lodomez von ihm 
verlangte, er solle, um einen Druck auszuüben, einen ano- 
nymen Brief an Pflüg richten, daß man schlecht über ihn 
spreche. 
Der aus der Haft vorgeführte Rentier Reuter bestätigte 
als Zeuge, daß Pflüg ihm eines Tages mitgeteilt habe, er hätte 
200 Mark für ein Börsenblatt und den „Unabhängigen‘‘ be- 
zahlen müssen. Er habe dem ihm bekannten Grünewald 
darüber Vorstellungen gemacht, dieser habe den Empfang 
von Geld abgeleugnet. Später habe sich herausgestellt, daß 
v. Schleinitz der Geldempfänger gewesen sei. ; 
Agent Manfred Lewin: Er habe gesprächsweise von 
Moser und Grünewald gehört, daß sie die Broschüre für 
30000 Mark an Pflüg verkaufen möchten. — Buchdruckerei- 
besitzer Erdmann: Er habe die Broschüre gegen Pflüg in 
1000 Exemplaren für einen Preis von 110 Mark gedruckt. 
Er sei nur mit Sponholz in Verbindung getreten, der sich 
als Redakteur des „Unabhängigen‘“ ausgegeben und einen 
Teil des Druckpreises bezahlt habe. Den Rest habe Pflüg in 
Lübeck auf Veranlassung des Kriminalkommissars Hoefft ent- 
richtet. — Am zweiten Verhandlungstage wurde ein Aufruf 
verlesen, den die Redaktion des „Unabhängigen‘“ an die
	        
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