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Band 8 Ein Presse-Skandal

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 8 Band 8 (Public Domain)

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schüre voller Haß, Rache und Wut in 6000 Exemplaren 
drucken zu lassen. In der Presse habe er ihn geschützt, vor 
Broschüren könne er ihn nicht schützen. Er deutete auch 
den Inhalt der Broschüre an und teilte mit, daß diese an 
alle Offizierkasinos und die Kunden des Pflüg verteilt wer- 
den solle. Das Manuskript sei als Verlagseigentum mit allen 
Rechten zu verkaufen. Bei Erledigung des Geschäfts würde 
das gänzliche Schweigen des Gegners verbürgt, sobald aber 
der erste Bogen gedruckt sei, würde die Broschüre nicht 
mehr verkauft. Falls er, Schleinitz, keine Depesche erhalte, 
betrachte er die Unterhandlungen für abgebrochen und die 
Broschüre werde am 16. November in Lübeck erscheinen. 
Pflüg ließ sich jedoch auf nichts ein. Infolgedessen erschien 
am 9. November in der „Lübecker Zeitung‘ eine Notiz, daß 
im Grünewaldschen Verlage eine Broschüre bezüglich des 
Testaments des verstorbenen Pflüg herauskommen werde. 
Gegen Weihnachten begab sich im Auftrage Pflügs General- 
agent Manfred Lewin zu Grünewald, um diesen zu son- 
dieren. Grünewald erzählte hierbei, daß die Broschüre schon 
im Druck sei, er las einige den Pflüg kompromittierende 
Stellen vor und meinte, Pflüg täte am besten, die Sache tot 
zu machen und die Broschüre für 10000 Taler zu kaufen. 
Es wurde durch Vermittlung Lewins noch einmal hin und 
her verhandelt. Als aber alles erfolglos war, erschien in 
der Tat die Broschüre: „Das Testament des verstorbe- 
nen Herrn G, T. Pflüg in Lübeck und dessen Aus- 
führung durch den Testamentsvollstrecker Böhl 
v. Faber.“ In dieser Broschüre wurden dem Schwager 
Pflüg’s, Hrn. Böhl v. Faber, zahlreiche strafbare Handlungen 
nachgesagt und von Pflüg allerlei schmutzige Geschichten 
erzählt. Die Broschüre war von Sponholz, der den Auftrag 
zum Druck erteilt hatte, mit Hilfe von Grünewald und Moser 
ausgearbeitet worden. 
Der Angeklagte Lodomez bestritt, in dieser Angelegen- 
heit sich irgend einer Erpressung gegen Pflüg schuldig ge-
	        
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