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Band 8 Ein Presse-Skandal

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 8 Band 8 (Public Domain)

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im „Unabhängigen‘ angegriffen worden. Eine Anzeige bei 
der Staatsanwaltschaft sei erfolglos gewesen. Er habe 
schließlich an Dr. Vogelsang 50 Mark gezahlt, von diesem 
Augenblick ab hörten die Angriffe auf. — Hypothekenmakler 
Westernhagen bekundete, daß infolge Zahlung eines grö- 
Beren Geldbetrages die Angriffe im „Unabhängigen‘“ gegen 
ihn aufgehört haben. — 
Es gelangte ferner folgender Fall zur Verhandlung: 
Rentier Otten in Lübeck, der im Jahre 1880 die Tochter 
des am 3. Juni 1879 verstorbenen Weinhändlers Georg Theo- 
dor Pflüg in Lübeck geheiratet hatte, war der Meinung, daß 
diese von ihrem Bruder, dem Weinhändler Georg Pflüg 
in Lübeck, bei der Erbteilung übervorteilt sei. Da er Ende 
Mai 1882 hier in Berlin erfuhr, daß der frühere Portier 
Lodomez hiesiger Vertreter des Geschäfts gewesen, so fragte 
er diesen nach dem Wert der in der Inventur vom 31. Dezember 
1879 aufgeführten Weinbestände, ersuchte ihn auch um Rat 
und vertraute ihm gedrucktes Material über die Streitsache 
an, welches Lodomez angeblich den Rechtsanwälten Drews 
und Hentig vorlegen wollte. Als Otten am 1. oder 2. Juni 
von hier wieder abreisen wollte, erschien Lodomez in dem 
Hotel und erhob einen Anspruch auf Bezahlung. Otten 
lehnte dies ab, warf aber ein Zwanzigmarkstück aus dem 
Wagen, das Lodomez aufhob. Inzwischen hatte Lodomez 
aber auch schon an Pflüg eine Depesche folgenden Inhalts 
geschickt: „Ihr eigenes Interesse erfordert dringend persön- 
liche Anwesenheit hier. Gefahr im Verzuge. .Lodomez,“ 
Pflüg telegraphierte ablehnend, mußte aber aus anderer Ver- 
anlassung nach Berlin und traf hier auf dem Bahnhofe 
Lodomez, der inzwischen noch ein Telegramm abgesandt 
hatte. Lodomez teilte ihm mit, daß ein gewisser Moritz 
Guhrauer den Ottenschen Nachlaßanspruch kaufen und daß 
„sie Familien- und Geschäftspapiere, welche den Pflüg be- 
träfen, veröffentlichen wollten,“ Er riet ihm gleichzeitig, 
ein gutes Stück Geld in die Hand zu nehmen, um die Sache
	        
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