Path:
Band 8 Die Vorgänge in der Provinzial-Arbeitsanstalt zu Brauweiler vor Gericht

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 8 Band 8 (Public Domain)

260 — 
aus Nase und Mund heftig blutete. Ein vollständig erblin- 
deter Häusling, namens Krähmer, sei an der Druckmaschine 
beschäftigt worden. Sobald dieser nicht sein volles Pensum 
gemacht hatte, wurde er ebenfalls bestraft. Ein 20 jähriger 
hinkender Mann sei wegen Nichterfüllung des Pensums ge- 
rade an den Pfingstfeiertagen in Arrest gekommen. Es sei 
überhaupt üblich gewesen, gerade während der Feiertage die 
Leute in die Arrestzellen zu sperren. Der junge Mann habe 
sich, als er aus dem Arrest kam, erhängt. Als er (Zeuge) 
das letzte Mal entlassen wurde, habe ihm Direktor Schell- 
mann beim Abschied gesagt: „Hüten Sie sich, wieder nach 
Brauweiler zu kommen, Sie kommen alsdann nach Köln 
nicht mehr zurück.‘ 
Direktor Schellmann: Lander sei einer der arbeits- 
scheuesten Menschen, die es in Brauweiler je gegeben habe. 
Dem Manne sei zunächst die leichteste Arbeit und ein ver- 
hältnismäßig geringes Pensum gegeben worden. Der er- 
blindete Krähmer sei, als er in die Anstalt kam, augenleidend 
gewesen. Er sei deshalb ärztlich behandelt worden, und 
wenn er sich recht erinnere, so sei Krähmer sogar von einem 
Spezialarzt behandelt worden. Da ihm nichts weiter fehlte, 
50 sei er am Raddrehen bei der Druckmaschine beschäftigt 
worden. Als Krähmer erblindet war, sei er dem Landarmen- 
hause überwiesen worden, woselbst er sich jetzt noch be- 
finde. .Lander sei ein notorischer Faullenzer gewesen, €s 
habe bei ihm an gutem Willen gefehlt, deshalb sei er viel- 
fach bestraft worden. Lander habe früher angegeben, daß 
er 180 Tage Kostentziehung gehabt habe, jetzt behauptet er: 
es seien 300—400 Tage gewesen. — Vert.: Lander behaup- 
tet, es seien sogar noch mehr gewesen. — Schellmann: 
Laut Akten sei Lander mit 93 Tagen Kostentziehung und 61 
Nächten Arrest bestraft worden. Als Lander entlassen 
wurde, habe er ihn, wie es seine Pflicht sei, ermahnt, einen 
ordentlichen Lebenswandel anzufangen und ihm gesagt: 
wenn er wieder komme, dann werde die Strafe schärfer. —
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.