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Band 8 Die Vorgänge in der Provinzial-Arbeitsanstalt zu Brauweiler vor Gericht

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 8 Band 8 (Public Domain)

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unterstehen, wegen Frechheit oder Widerspenstigkeit die 
Prügelstrafe zulässig sei, bemerkte der Sachverständige: Das 
Ministerium habe über einige Arbeitshäuser nur die Ober- 
aufsicht, er könne also hierüber keinen Aufschluß geben. 
Jedenfalls sei die Prügelstrafe nur in Zuchthäusern unter 
gewissen Umständen gestattet, in den Gefängnissen dagegen 
ausdrücklich verboten. Wenn ein Gefängnisbeamter dennoch 
einen Gefangenen schlage, so habe der Beamte selbstver- 
ständlich die Folgen zu tragen. 
Es erschien alsdann als Zeuge der frühere Hilfsaufseher 
Enscheid: Viele Häuslinge seien nicht imstande gewesen, 
das Pensum in Brauweiler zu bewältigen. Ein Häusling 
habe einmal geäußert: Er wolle lieber lebendig in die Ana- 
tomie nach Bonn geschafft werden, als noch länger in Brau- 
weiler bleiben. Die Häuslinge müssen dort in kalten, d. h. 
ungenügend geheizten Räumen arbeiten. Ein 48jähriger 
Häusling, der als Kehrmann beschäftigt wurde, sei, weil er 
die ihm zugewiesene Arbeit nicht leisten konnte, mit vier 
Wochen Arrest und Kostentziehung bestraft worden. Ein 
anderer Häusling, namens Paulus, sei am Mastdarm derartig 
krank gewesen, daß der Kot ihm widerwillig abging. Er 
habe den Mann krank gemeldet, dieser sei aber nicht ins 
Lazarett aufgenommen worden. Direktor Schellmann habe 
verlangt, daß die Beamten, ehe sie des Sonntags zur Kirche 
geführt wurden, 3/, Stunden lang in strengster Kälte auf dem 
Hofe stehen. 
Direktor Schellmann: Die evangelischen Beamten 
mußten des Sonntags warten, bis der katholische Gottes- 
dienst zu 'Ende war. Er selbst hatte ebenfalls des Sonntags 
unter der Kälte auf dem Hofe zu leiden, da er sich bei diesem 
Versammeln zum gemeinschaftlichen Kirchgang nicht aus- 
schloß. Bei schlechtem Wetter habe er aber die Beamten 
ins Haus treten lassen. | 
Bürstenfabrikant Abler: ‘Er lasse in Brauweiler arbei- 
ten. Das ‘Arbeitspensum in Brauweiler sei um ein Drittel 
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