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Band 8 Die Vorgänge in der Provinzial-Arbeitsanstalt zu Brauweiler vor Gericht

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 8 Band 8 (Public Domain)

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schlagen? — Zeuge: Nein. — Vors.: Wurden nicht die in 
der Cachotte befindlichen Arrestanten geschlagen? 
Zeuge: Ja, die Arrestanten erhielten bisweilen Ohr- 
feigen. — Vors.: Hing nicht in jeder Cachotte ein Seil? — 
Zeuge: Ja. — Vors.: Welchen Zweck hatte das Seil? — 
Zeuge: Um den Gefangenen eins überzuziehen. (Heiterkeit 
im Zuhörerraum.) — Vors.: Hing das Seil so, daß es 
Direktor Schellmann sehen konnte? — Zeuge: Nein, das 
Seil war in dem Flur in einem Kästchen, auf dem ein Gebet- 
buch lag, aufbewahrt. — Vors.: Haben Sie auch einmal 
einen Gefangenen mit dem Seil geschlagen? — Zeuge: Nein. 
— Vors.: Sie haben nur schlagen sehen? — Zeuge: Ja. — 
Vors.: Wieviel Male haben Sie wohl schlagen sehen? — 
Zeuge: Vier- bis fünfmal. — Vors.: Sind Sie der Meinung, 
daß der Direktor davon Kenntnis hatte? — — Zeuge: Das 
weiß ich nicht. — Rechtsanwalt Gammersbach: Aus wel- 
chem Grunde geschah das Schlagen mit dem Seil? — 
Zeuge: Wegen Frechheit und Widersetzlichkeit. — Vors.: 
Das war doch aber kein Grund zum Schlagen, da war doch 
noch Zeit, eine Anzeige zu machen. — Der Zeuge schwieg. 
Vors.: Direktor Schellmann soll Sie einmal aufgefordert 
haben, einem Knaben, namens Wernitzki, 25 Hiebe zu geben ? 
Zeuge: Jawohl. Direktor Schellmann sagte mir: Oben 
ist ein Junge, namens Wernitzki, den wollen wir erst einige 
Stunden sitzen lassen und ihm alsdann 25 Hiebe versetzen. 
Ich habe geantwortet, daß mir das widerstrebt. Auf seine 
Frage, wer dies wohl tun würde, empfahl ich den Bäcker- 
meister Kulartz. Dieser hat auch dem Knaben die 25 Hiebe 
gegeben. — Vors.: Waren Sie dabei? — Zeuge: Nein, ich 
stand unten auf dem Flur, hörte schlagen und den Knaben 
furchtbar schreien. — Vors.: Womit mag wohl geschlagen 
worden sein? — Zeuge: Ich glaube mit einem Seil, — 
Vors.: Wie alt war wohl der Knabe? — Zeuge: 9—10 
Jahre. — Auf Befragen des Rechtsanwalts Gammersbach 
bekundete der Zeuge: Der Knabe Wernitzki, Sohn eines
	        
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