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Band 8 Der Königliche Hof- und Domprediger Adolf Stöcker in dem Beleidigungsprozeß wider den Redakteur Heinrich Bäcker als Zeuge

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 8 Band 8 (Public Domain)

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Behauptung des Hofpredigers Stöcker, der jüdische Stadt- 
verordnete Horwitz habe sich in städtische Ämter gedrängt, 
die einem Juden nicht zustehen. Damit will die Verteidigung 
den Beweis führen, daß Herr Stadtverordneter Horwitz nicht 
Jude und sich auch in kein Amt gedrängt habe. 5. Es soll 
der Beweis erbracht werden, daß Hofprediger Stöcker den 
Dr. Brandes falsch zitiert und ihn einen Juden genannt hat, 
während Dr. Brandes nicht Jude ist. 6. Professor Dr. Bey- 
schlag (Halle) hat die Behauptung aufgestellt, daß Hofpre- 
diger Stöcker die Berliner Stadtmissionare zur Verbreitung 
des „Reichsboten‘“ benütze. Hofprediger Stöcker hat dies 
auf der Berliner Pastoralkonferenz in Abrede gestellt, die 
Verteidigung will den Beweis führen, daß die Behauptung 
des Prof. Dr. Beyschlag richtig ist. 
Der Verteidiger stellte im weiteren noch eine Reihe 
von Beweisanträgen, daß Hofprediger Stöcker die liberale 
Presse in gröblichster Weise beschimpft habe. Endlich hat 
Hofprediger Stöcker behauptet: Die Berliner Juden haben 
das Andenken des französischen Juden Cremieux gefeiert, 
eines Mannes, unter dessen Regierung die Ausweisungs- 
dekrete gegen die Deutschen aus Frankreich erlassen wor- 
den seien. Es mußte Herrn Hofprediger Stöcker bekannt 
sein, daß die Ausweisungsdekrete am 4. August 1870 er- 
lassen wurden, während Cremieux erst am 4. September 
1870 Regierungsmitglied wurde. 
Der Staatsanwalt widersprach den meisten dieser An- 
träge, besonders aber der Verlesung einzelner Stellen aus 
dem Buche des Pastors Todt, da derartige, aus dem Zu- 
sammenhange gerissene Sätze nichts beweisen. 
Vert. Rechtsanwalt Munckel schloß sich dieser letzteren 
Ausführung des Staatsanwalts an und beantragte, das Buch 
von Todt vollständig zu verlesen. 
Der Gerichtshof beschloß, das Verlesen einiger Stellen des 
Buches von Todt als unerheblich abzulehnen. Der Gerichts- 
hof, so etwa bemerkte der Vorsitzende, ist der Ansicht,
	        
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