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Band 8 Der Königliche Hof- und Domprediger Adolf Stöcker in dem Beleidigungsprozeß wider den Redakteur Heinrich Bäcker als Zeuge

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 8 Band 8 (Public Domain)

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dem Reichskanzler Fürsten Bismarck ein kräftiges Pfuisolo 
ZU. — 
Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Graf Arnim leg- 
ten gegen das Urteil des Berliner Stadtgerichts Appellation 
ein. Der zweite Strafsenat des Kammergerichts hob im 
Mai 1875 das Urteil des Berliner Stadtgerichts auf und er- 
kannte auf neun Monate Gefängnis. Die vom Angeklagten 
eingelegte Nichtigkeitsbeschwerde wurde vom Obertribunal 
(das Reichsgericht existierte noch nicht) verworfen. Graf 
Arnim war zuckerkrank. Eine längere Gefängnisstrafe ließ 
das schlimmste für ihn befürchten. Graf Arnim hatte sich 
aus diesem Anlaß bereits kurze Zeit nach der ersten Ver- 
handlung nach der Schweiz begeben. Er ließ in Zürich in 
der Druckerei von Schabelitz eine Broschüre, unter dem 
Titel „Pro nihilo‘“ drucken. Diese Broschüre wurde so- 
fort nach ihrem Erscheinen in Deutschland beschlagnahmt 
und gegen den Grafen Arnim die Anklage wegen Landes- 
verrats erhoben. Er wurde im April 1877 vom Preußischen 
Staatsgerichtshof wegen Landesverrats, in contumaciam Zu 
fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust 
verurteilt. Bald darauf war Graf Arnim auf ärztliches An- 
raten genötigt, zur Kur nach Karlsbad zu gehen. Er bat 
um freies Geleit, da er, wenn er nicht durch Deutschland 
fahren könnte, genötigt sei, einen sehr großen Umweg zu 
machen. Das Gesuch um freies Geleit wurde abgelehnt. 
Graf Arnim war genötigt, den weiten Umweg zu machen, um 
nach Karlsbad zu kommen. Er ist kurze Zeit darauf gestor- 
ben. — 1875 wurde auf einem Kongreß in Gotha die Ver- 
einigung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins mit der 
sozialdemokratischen Partei, Eisenacher Programms, die sich 
bis dahin feindlich gegenüberstanden, vollzogen. Die sozial- 
demokratische Partei begann von dieser Zeit ab, in weiten 
Volkskreisen Boden zu fassen. Aus Anlaß der im Sommer 
1877 erfolgten Remotion des erblindeten Privatdozenten 
Dr. jur. et phil, Eugen Dühring schlossen sich zahlreiche
	        
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