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Band 7 Ein "Ritualmord"-Prozeß. Eine Verhandlung vor dem Schwurgericht zu Danzig (April 1885)

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 7 Band 7 (Public Domain)

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noch eine Laterne von ihm geliehen. — Der Zeuge Czarnicki 
bekundete ferner auf Befragen des Vorsitzenden: Wenn 
Behrendt in jener Nacht die Wohnung verlassen hätte, dann 
würde er (Zenge) dies gehört haben, denn er habe einen sehr 
leisen Schlaf. — Gastwirt £tenzel (Sk ırc 7): Als Behrendt 
am 21. Januar 1884 abends zu mir kım, wrar er betrunken, 
meiner Meinung nach aber nicht sinnlos, denn er erzählte 
ganz genau, wo er gewesen und wieviel er getrunken hatte. 
Er hielt sich an jenem Abend nur etwa zehn Minuten bei 
mir auf, chne e*was zu verzeb-er, ors.: Es ist von einem 
der Herren Geschworenen in Anregung gebracht worden, 
einen praktischen Fleischermeister zu fragen, ob ein Flei- 
scher imstande sei, eine Operation, wie sie an dem Ermor- 
deten vorgenommen worden, auszuführen. — Staatsanwall: 
Ich billige diese Anregung und beantrage, den Fleischermei- 
ster Annacker von hier, ferner nochmals den Sanitätsrat Dr. 
Merner (Pr. Stargard) und den Departements-Tierarzt Dr. 
Hertel von hier zu laden. — Der Gerichtshof beschloß dem 
Antrage entsprechend, — Schneider Karau: Behrendt ist 
mit dem Onkel des Ermordeten, dem Fleischer Cybulla, 
verfeindet gewesen. — Frau Knopf: Ich bin einmal bei Frau 
Behrendt gewesen, um von ihr Fleisch zu kaulen. Da sagte 
Frau Behrendt: Was meinen Sie, Frau Knopf, jetzt wollen 
sie den Cybullaschen Mord meinem Manne aulhalsen, ob- 
wohl er schon um 9 Uhr abends zu Hause und total betrun- 
ken war. Einige Zeit darauf begegnete ich der Schwägerin 
des Angeklagten, der Frau Michael Behrendt. Diese sagte: 
Meine Schwägerin weiß ja selbst nicht, wann ihr Mann nach 
Hause gekemmen ist. — Die Ehefrau des Angeklagten be- 
kundete: Sie habe sehr geschimplt, als ihr Mann am Abende 
vor dem Morde erst gegen 9 Uhr abends und total betrunken 
nach Hause kam. Im weiteren bestätigte die Zeugin die Be- 
hauptungen ihres Mannes. — Frau Brendel bejahte auf Be- 
fragen des Vorsitzenden, daß sie mit Behrendt verfeindet sei, 
sie werde aber die Wahrheit sagen. Sie habe eines Abends 
gehört, wie die Tochter des Angeklagten zu ihrer Mutter 
sagie: Mutter, weshalb weinst du, Essen bekommst du ja 
vom Onkel. Frau Behrendt erwiderte: Was habe ich vom 
Essen? Als eine Weile darauf das Kind wieder sagte: Mut-
	        
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