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Volume Heft 1 175 Jahre Knoblauchsches Haus

Full text : Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins (Rights reserved) Ausgabe 59.1942 (Rights reserved)

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mitunter (Iphigenia) in Haltung und Gebärde. Von sehen. Seine meist überaus rührseligen Stü>e würden
höchstem weiblichen Liebreiz sei dagegen die (1825) so freilich unserem Geschma> wenig zusagen. Mit C. Knobfrüh
 verstorbene Gattin Holteis gewesen, die zumal als lauch war er nahe befreundet, der denn auch jeder Erst-Kätchen
 von Heilbronn die Herzen der Berliner tief zu aufführung beiwohnte, so auch der des Dramas „Das
bewegen vermochte. Mit großer Begeisterung spricht Bild?)“; sie ist im Jahrgang 1937, S. 45, schon bedas
 Tagebuch von Charlotte von Hagn als unvergleih- sprochen worden. Viele Gedichte von ihm, meist heitere
lich im Fach jugendlicher Liebhaberinnen und Meisterin Gelegenheitsdichtungen, die si< auf den Kurmärkishen
eleganter Konversation, wie rührend als Grethen im QLandtag beziehen, liegen handschriftlich im Archiv des
„Faust“. Ihr ebenbürtig die Berlinerin Auguste Cre- Poststraßenhauses.
linger*), geb. Döring, verwitwete Stich (Donna Diana, Nach Houwaldt wandte sich der Geschma> den Wer-Phädra,
 Emilia Galotti u. a.). Als genialste Erschei- ken Raupacs zu, der die Königlichen Theater überreichnung
 der Königlichen Theater galt aber unstreitig lich mit Erzeugnissen verschiedenster Art, mit Sensa-Ludwig
 Devrient, der düstere dämonishe Rollen wie tionsstü>en, Dramen wie aur Lustspielen, versorgte.
Richard Ill. und König Lear hinreißend darzustellen Von dem Hohenstaufendrama wird „Friedrich 11,“ als
wußte, aber auch in heiteren Rollen wie Falstaff oder „sehr eindru>svoll“ hervorgehoben („Gibts denn ein
Schneider Fips gewaltigen Beifall erntete. Seine be<- anderes Fürstenglü> als Volkesliebe!“) und „Agnes
deutendste Leistung war die Darstellung des Franz von Hohenstaufen“. Zum Erfolg des letzten Stückes
Moor: „18. Juli 1825. „Die Räuber“. Devrient gab trug im wesentlichen eine gut angepaßte Musif Sponden
 Franz meisterhaft. Das teuflis<e Mienenspiel, der tinis bei und die großartigen Bühnenbilder, die kein
schlotternde Körper, die Scene mit dem Dolche; fur<ht- Geringerer als Schinkel entworfen hatte. Einige Tagebar
 stellt er die innere Leere bei dem verzweifelten Ge<- bucheintragungen über Raupachs Stücke, die den Gebet
 dar. Dem Stück selbst spürt man das Genie sc<ma> der damaligen Zeit kennzeichnen, sind reizvoll:
Schillers, allein ebenso sehr das 19. Lebensjahr an vielen 4. Februar 1830: „Um 6 8Lhr in „Der Müller und
Worten und Gedanken aus seinen Lebensverhältnissen sein Kind von Raupach. Der liebe Gott ist immer das
und Tagesbegebenheiten an.“ Devrient ist hier noHh auf dritte und lezte Wort. Alle Personen des Dramas sind
voller Höhez aber die Trinkgelage im Lutter & Wegner- gewaltig fromm, bis auf den entseßlich bösen, hektischen
schen Keller zeigen von Jahr zu Jahr üblere Folgen. und dabei in seinem Gewerbe ebenso rechtschaffenen als
Des öfteren wird im Tagebuch über die Ungleichheit gräßlich geldgierigen Müller, den Devrient mit bewunjeiner
 künstlerischen Leistung geklagt: nach ergreifend derungswürdiger Kunst gibt. Der Aberglaube tritt an
durchgeführten Szenen erfolgt nur zu oft ein deutlihes die Stelle des Fatums, wird aber leider zum Glauben
Nachlassen der Gestaltungskraft, so am 6. Februar 1829 an Spukgestalten gestempelt und dieser als ein Verin
 „Richard 111.“ nach einer Glanzszene: „Devrient ver=< sucher Gottes dargestellt und bestraft. Übrigens sehr
läßt die physische Kraft, sein Gedächtnis versagt, man langweilig. Seufzer vom Anfang bis zum späten Ende.
könnte meinen, er habe schlecht memoriert; im Mienen«- Zwei hübsche Winterlandschaften, besonders die des
spiel trägt er zu stark auf.“ Ende der dreißiger Jahre Kirchhofs. Der Gröditzberg ist hineingeshneit, man
wird dann Seydelmann als bedeutendste Bühnenerschei- weiß nicht wie. Es muß ein sc<lesisch provinzialer Abernung
 hervorgehoben. Wie bei Devrient wird seine glaube sein, daß zur Christnacht um Mitternacht die im
große Vielseitigkeit bewundert; in ernsten wie in hei- nächsten Jahre Sterbenden in die Kirche gehen.“
teren Rollen, als Mephisto, Nathan, Marinelli oder 25. Februar 1827: „Isidor und Olga“. . Raupach
als Essighändler bietet er Meisterleistungen. Als größ- läßt hier das ganze Grauen russischer Leibeigenschaft, in
tes Bühnenereignis wird die „Faust“-Aufführung vom der jede Menschenwürde getreten wird, erschütternd auf
2. Mai 1838 vermerkt (Faust: Herr Gua; Mephisto: den Zuschauer wirken. Mad. Müller als Olga ganz
Herr Seydelmannz Gretchen: Frl. Charlotte v. Hagn): vortrefflich, große Kunst, herrliche Stimme, der größten
„Alles war aufs höchste begeistert; nur dem König Kraft ebenso wie des zartesten Ausdrucks fähig. In
wurde die Stimmung verdorben: das Flohlied Mephi- jeder Situation war immer die zarteste Weiblichkeit
stos schien ihm höchst unpassend für die Königlihe fühlbar. Sie beherrscht Gestalt und Gebärde ganz aus-Bühne.“
 Als C. Knoblauch zwei Jahre später (2. Sep- gezeichnet. Wo sie die tiefste Innigkeit des Gefühls
tember 1840) wieder einer „Faust“-Aufführung bei- auszudrü>ken hat, scheint sie mir am unerreichtesten.
wohnte, war das Flohlied gestrichen. Herr Crüsemann (als Bonvivant sonst vortrefflich)
In den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen s<hneidet so tragisch-grimmige Gesichter, daß sie fast
Jahrhunderts beherrschten den Spielplan der König- komisch wirken.“ | WEESEN.
lihen Bühnen zum nicht geringen Teil die Schiesals- Ostersonntag, 6. April 1828: „Die Schleichhändler
tragödien Müllners und des Freiherrn von Houwaldt; mit Crüsemann, Nina Sontag (Schwester der Henriette)
dieser war nicht nur als Syndikus der Niederlausiger und Caroline Bauer, höchst ergößliches, witziges Stü.
Stände und Mitglied des Kurmärkischen Landtages 24. April: „Der Zeitgeist“ von Raupach. Dem als
hervorragend tätig, sondern auch als Dichter sehr ange- bösen Feind betrachteten Zeitgeist wird u. a. die Jrag:
vorgelegt, ob die Hundesteuer auch von ihm Bern
FIRED ü Gee TUNE TBEHEENU „Sonntag, d. 15. Juli 1832 in „Robert der Teu Es
teilt fis . NT NE ie SE UE eren nsenn von Meverbeer. Außerordentliche Pracht, entsetzliche
Bekannter ist ihr Bild in dem großen Krügerschen Gemälde ;
„Die Parade“. Mit ihren Töchtern Bertha und Clara 7) Das Berliner Theatermuseum zeigt das Bühnenbild
Stich steht sie in der Mitte der Zuschauer. des 2. Aktes.
            
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