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Band 7 Prozeß wegen Landesverrats. Verhandlung vor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts zu Leipzig vom 12. bis 19. Mai 1884

Full text: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung / Friedländer, Hugo (Public Domain) Ausgabe 7 Band 7 (Public Domain)

Kauf an. Ich schrieb dem Adler: Ich habe kein Geld und 
habe auch meines Wissens nichts Straibares begangen. Ich 
bemerke, daß ich mit Adler und auch mit Kraszewski ganz 
offen verkehrt habe. Ich habe meine Korrespondenzen voll- 
ständig ollen gelührt und nur das Material an Adler gelie- 
jert, das ich in militärischen Werken fand und jedermann 
zugänglich war. — Vors.: Wodurch lernten Sie Adler 
kennen? Hentsch: Adler erfuhr meinen Namen durch 
meine Korrespondenzen und suchte mich auf. — Vors£ 
Was war Adler für ein Mensch? — Hentsch: Adler war 
Korrespondent Iür mehrere politische Zeitungen; er sagte 
mir, daß er u. a. für die „Kreuzzeitung“ und „Norddeutsche 
Allgemeine Zeitung“ schreibe. — Vors.: War. Adler zum 
Zeitungskorrespondenten denn befähigt? — Hentsch: Ich 
kann das nicht genau beurteilen, ich glaube es aber. — 
Vors.: Angeklagter, Sie waren preußischer Offizier; wußten 
Sie nicht, daß eine Arbeit über den Aufmarsch der deut- 
schen Truppen nach der Westgrenze dem Deutschen Reiche 
schaden könnte? — Hentsch: Daran dachte ich nicht, zumal 
die Werke, nach denen ich arbeitete, im Buchhandel zu ha- 
ben waren. — Vors.: Sie mußten sich doch die Frage vor- 
legen, wozu will Adler diese Arbeit? — Hentsch: Ich 
glaubte, er wolle sie für militärische Zeitschriften verwen- 
den. — Vors.: Dachten Sie nicht daran, daß eine solche 
Arbeit für die jranzösische Regierung sehr wertvoll sein 
könnte? — Hentsch: Mein, denn ich arbeitete nicht nach 
amtlichen Quellen. — Vors.: Sie mußten sich doch aber 
sagen, daß solche Arbeiten nur einer fremden Regierung 
und im vorliegenden Falle Frankreich nützen können? — 
Hentsch: Ich hielt die Verölfentlichum&/ dieser Arbeiten 
nicht für bedenklich. — Vors: 7. Arbeit betreffs des 
Truppenaulmarsches erhielten Sie nun von Adler nach 
einigen Wochen zurück, da die Aufstellung angeblich falsch 
und mangelhaft war. Haben Sie absichtlich falsche An- 
gaben gemacht? — Hentsch: Das nicht, ich‘ bemühte mich, 
richtige Angaben zu machen. — Vors.: Wenn Sie glaubten, 
nichts Stralbares zu begehen, weshalb fürchteten Sie die 
Denunziation des Adler? — Hentsch: Ich konnte mich doch 
nicht weiter als heute exkulpieren und befürchtete eine An-
	        
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